Finanzkrise – Wer zahlt? vom 09.04.2009

Zur Feier des Tages möchte ich heute noch einmal etwas aus unserem heiß geliebten Schülerportal bringen.
Mitschüler Milch hatte am 09.04.2009 diesen Artikel auf unserer Plattform veröffentlicht. In der Retrospektive noch interessanter und heute – über 2 Jahre später – völlig zeitlos. Danke.
Vorwort: Ich will hier jetzt nicht die grundlegenden Mechanismen der Finanzkrise angehen, sondern einmal mit der Frage umgehen, wer denn eigentlich wie von ihr getroffen wird. Wichtig: Ich erhebe auch keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, da dieser Text einfach in einem Fluss aus mir heraus kam.
Wer zahlt?
Im Fernsehen läuft eine Ausstrahlung des Magazins Panorama, reiche Privilegierte auf dem Weg zum großen Opernball – das Motto des Abends: Verlierer halten Meetings, Gewinner feiern. Arrogant? Vielleicht. Unangebracht? Mit Sicherheit. Einer der betuchten Herren (reich geboren, geerbt, oder vielleicht sogar selber erarbeitet), wird zum Thema Finanzkrise befragt.
Seine Meinung: “Es gibt keine Finanzkrise. Gucken sie sich mal die Nobelrestaurants an, die haben Wartelisten ohne Ende, wo kanns da eine Finanzkrise geben?”
Wow. Also entweder ist dieser Mann entweder dreist, weil er nicht darüber reden will warum Leute wie er schamlos während der Not anderer feiern und sich über diese lustig machen (Motto).
Oder er ist einfach dumm, zu dumm um zu merken was wirklich vor sich geht.
Was nun den Tatsachen entspricht kann sich jeder selbst überlegen.
Doch zeigt sich an diesem Beispiel gut die Problematik die wir derzeit erleben:
Menschen mit hohem Einkommen, viel Besitz und tollen Jobs haben diese Krise heraufbeschworen,
und manche wenige von ihnen mit voller Absicht nichts gegen sie unternommen.
Denn wer zahlt ist die Allgemeinheit. Wenn man also selbst zu der Gruppe derer gehört,
die im Vorfeld überproportional profitiert macht man nachher noch Gewinn, auch mit zurück gezahlten Boni für das Krisenjahr (die man in alle den Jahren in denen man die Sache an die Wand rennen lief auch einstrich).
Dazu kommt, was logisch ist: Wer viel hat, kann auch Jahre von seinem Ersparten,
oder investierten Kapital leben…vielleicht müssen die Reichen ihren Luxus ein wenig zurückfahren,
aber sie werden kaum etwas spüren. Der doppelte Boden: Wer reich ist und viel verdient hat auch so gut wie immer einen Job der vom Unternehmen auch in der übelsten Krise weiter gehalten wird.
Zusammenfassung: Wer viel Geld hat kann davon trotz Finanzkrise gut leben,
und hat dazu eigentlich noch einen sicheren Job, denn gespart wird immer von unten nach oben.
Wirklich Einschnitte erleiden muss, wer kein Top-Verdiener ist.
Man hat das Risiko des unsicheren Jobs, deutlich weniger Rücklagen und hat auch nie von der Entwicklung vor der Krise profitiert. Und: Man hat nicht einmal Schuld. Denn wer nicht oben mitspielt hat auch wenig zu sagen, hatte also am wenigsten Einfluss auf das Entstehen der Wirtschaftskrise.
Ich frage mich, was passiert wenn die Mehrheit das realisiert.
Oder die Ironie in der Tatsache sieht, dass wir Billionen in ein versautes System buttern,
während wir die armen Länder mit 8 Milliarden abfertigen.
Denn zeitgleich wird jedem der nicht an den Hebeln der Macht sitzt eingeredet,
dass er “eh nichts ändern kann” – Aber das wird mich ein andermal beschäftigen.



