Er hat sich einen eBook Reader gekauft.

Ben hat sich einen Kindle gekauft. Es ist ein schwacher Moment, denn er boykottiert doch eigentlich Amazon. Aber so ein eBook Reader ist eben geil für solche, die gern lesen, aber selten zweimal, für solche, die gern Platz haben für andere Dinge als verstaubtes totes Holz. Leute wie mich. Und Leute wie ihn.
Und ausnahmsweise verfechte ich heute mal nicht Amazon, sondern versuche ein paar Möglichkeiten aufzuzeigen an coole eBooks zu kommen. Möglichst günstig.
Übrigens, wer gern englisch liest oder es zumindest kann, ist klar im Vorteil. In Deutschland gibt es die Buchpreisbindung, das macht auch digitalen Kram saumäßig teuer.

1. Ab sofort wollt ihr alles als PDF. Denn PDF kann man sich easypeasy auf den Kindle schicken und es da etwas augenschonender lesen.

2. Fachliteratur unter Creative Commons: Der De Gruyter Verlag bietet viel Literatur unter Creative Commons oder anderen freien Lizenzen an. Und ja, das kann man auf der Webseite filtern und die Texte direkt runterladen.

3. FanFiction. Und zwar auf einer deutschen Webseite. Registrierung ist notwendig und nicht jugendfreie Texte können ohne Verifizierung nur nachts aufgerufen werden. Gnah. Aber immerhin bieten sie direkten Download als HTML und epub an. – das englischsprachige Pendant, das weitaus größer, weitaus umfassender ist und wundervoll auf Jugendschutz pfeift, meide ich. Denn die bieten nicht nur nix an, die unterbinden sogar Copy-Paste. Bei Fanfiction. Also auf einer Plattform, die vom laissez-faire-Umgang mit Urheberrechten lebt.

4. Für Belletristik muss mensch sich durchwuseln. So wie sich früher™ durch Buchhandlungen, lange Listen und mündliche Empfehlungen geackert wurde, ackert es sich heute durch das weit größere Netz. Einzelne Plattformen funktionieren ähnlich. Für kürzere und dadurch günstige Texte oder Lyrik lässt es sich auf keinverlag.de stöbern. Copy-Paste lassen die zu.

5. Zuletzt: Kaufen. Ja, auch bei Amazon. Hier gilt es ggf. drauf zu achten, dass die Datei DRM frei ist. Konvertieren lässt sich alles mit Calibre. Muss man sich aber reinarbeiten. (Ich kann damit immer noch nicht umgehen.)

Der Textkonsum hat sich massiv verändert, anlesen, weiterklicken, bookmarken, runterladen, wiederfinden. Es geht schneller ja und es geht weiter. Doch das Finden von Texten, das ist immer noch dasselbe, nur dass ich dafür nicht mehr zwingend aufstehen muss. Die Empfehlungen kommen heute eher in einer Mail oder im Chat, eine neue Plattform wird mir in die Timeline gespült und weckt mein Interesse.

Und nein, eine Plattform nur für freie Kultur – was Texte anbelangt – gibt es nicht. Warum nicht? Wenn ich das wüsste. Und wenn ich die Muse hätte das zu ändern.

Achtung: Diese Aufzählung hat keinen Anspruch vollständig zu sein und egal, wie sie sich erweitert, das wird niemals der Fall sein.

Dieser Text steht unter der Creative Commons Lizenz CC-BY-SA Kiane l’Azin


15,5 bescheuerte Fragen an Eva Napp

Dieses Mal geht es rüber nach LA. Auch unsere Lieblingsauswanderin Eva Napp hat sich die Zeit genommen und 15,5 bescheuerte Fragen mit 15,5 sehr sympathischen Antworten belegt. Mehr von ihren eigenen Arbeiten findet ihr auf ihrer Website, auf ihrem wunderschönen Tumblr und natürlich auf Instagram, Facebook und Co.

1) Wieso bist du eigentlich Fotograf/in?
Weil ich es als Kind nicht ausgehalten habe, dass ich nicht alle Erlebnisse mit meinem Augen fotografieren und im Gehirn abspeichern kann.

2) Gibt es etwas, das Du eigentlich fast genauso gut kannst?
Mathe. Ich hatte 13 Punkte im Abitur. Hierzu zählt aber nicht unbedingt Kopfrechnen.

3) Du hast die freie Wahl und noch eine Auslösung bevor deine Kamera sich in glühende Scheiße verwandelt: Welchen Menschen würdest Du in diesem Augenblick fotografieren wollen? Bild wird natürlich wireless auf irgendein Cloud-Device übertragen. Du kannst es also nachbearbeiten, verwenden etcpp.
Yolandi Visser von Die Antwoord

4) Thema Geschlechtsverkehr mit dem Model: Okay oder Not-Okay?
Unter 18 nein, über 18 Ja.

5) Kannst du eigentlich Menschen schön ablichten, die dir absolut unsympathisch sind?
Dafür sind wir ja da. Professionelle Menschen sollten immer in der Lage sein ihren Job zu erledigen, ohne ihre negativen Emotionen in den Weg zu stellen. Da muss man dann Abstand zu seinen Gefühlen nehmen und sich nur auf seine Arbeit konzentrieren, die von einem verlangt wird. Stellt sich aber raus, dass jemand so ein Arschloch ist, dass es gegen die eigene Würde geht, sollte man sich natürlich auch selber den Gefallen tun und sich verabschieden. Gott sei dank, ist mir bisher noch nie jemand vor die Linse gekommen, der mir absolut unsympathisch war.

6) Wäre es nach deinen Eltern gegangen, wärst Du heute:
Genau das, was ich heute bin.

7) Das Beste an der Fotografie ist in deinen Augen…
der Moment in dem man den Film abholt, im Bus sitzt, sich über die Bilder totlacht und aussieht wie ein Idiot.

8) Kann gute Fotografie Leben retten?
Im weiten Sinne ja. Tolle Fotografie, die aufmerksam auf ein bestimmtes Thema macht und durch ihre visuelle Sprache Leute fesselt und auf Probleme anspricht, schafft dies auf jeden Fall.

9) Wie viele Sinne braucht ein Fotograf mindestens?
Den Sinn für Empathie

10) Was empfindest Du, wenn du dir deine eigenen Bilder anschaust?
Ich bin sehr selbstkritisch und es ist schwierig für mich meine eigenen Bilder bewerten. Man bekommt so eine Blindheit, wenn man tagelang an seinen eigenen Sachen arbeitet. Daher ist es wichtig für mich meine Bilder eine Zeit lang wegzupacken, um dann wieder mit frischen Blick drauf schauen zu können.

11) Bist du Autodidakt?
Ja und Nein. Ich habe nie eine technische Ausbildung gemacht oder länger als Assistent gearbeitet, aber habe viel Bild- und Kunsttheoretisches Zeugs an der Uni gelernt. Fotografen sind im Grunde alle Autodidakten, weil man andauernd weiterlernen muss. Nach der Ausbildung geht erst das richtige lernen los.

12) Willst Du genau das, was Du gerade machst, dein Leben lang machen?
Ich werde immer mal dies mal das machen. Ich bin sehr schnell gelangweilt und kann nicht an einem Ort bleiben. Daher ist die Fotografie perfekt für mich, weil’s vielseitig ist. Aber wer weiss, was später passiert. Im Moment mache ich nebenbei Männerklamotten. Später will ich auf einer Ranch wohnen und mich um eine Schar von Tieren kümmern. Vielleicht werde ich auch Stripclubbesitzerin. Das Fotografieren aber werde ich immer machen.

13) Lass uns von Visionen erzählen. Hast Du einen großen Traum, eine große Vision für Dich, deine Arbeit und deine Zukunft?
Mein Traum ist es, in diesem wundervollen Land (U.S.A.) es zu schaffen, glücklich mit dem zu werden, was ich gerne mache. Der erste Schritt des Auswanderns ist schon einmal hinter mich gebracht und ich habe es noch nicht bereut.

14) Welchen Tipp würdest Du Menschen geben, die auch professioneller Fotograf werden wollen würden?
Rausgehen und fremde Leute ansprechen und fotografieren. Nicht zu viel photoshoppen oder darauf achten, was für eine Kamera du hast/brauchst. Freundlich und sympathisch sein.

15) Gibt es jemandem, dem du besonders viel verdankst? Karriere-Push-Up, visuelle Inspiration oder menschlichen Support?
Esther Haase, bei der ich mit 15 mein erstes Praktikum gemacht habe und mir damals den Floh in den Kopf gesetzt hat, Fotografin zu werden. Visuell ist sie immernoch ein großes Vorbild von mir.
Paul Ripke, bei dem mir bewusst geworden ist, dass es nichts gibt, was man nicht machen kann. Man muss sich nur auf den Hintern setzen und rausfinden wie.

15,5) Wenn du aus deinem Portfolio genau ein einziges Bild zeigen dürftest, welches deine Arbeit am Besten zusammenfasst, welches wäre das?

eva_napp-adriana_penich-outfit_1000px_benhammer

Weitere Fotografen gaben sich bereits hier für „15,5 bescheuerte Fragen an…“ die Ehre.


Worte sind schön. #fbm14

Nicht mal Hybrid bin ich hier. Textjunkie im Designblog.
Visuelles zieht euch an, doch um das zu bieten, muss ich in die Fundkiste gucken, die nichts mit mir zu tun hat. Oder Leute anhauen, die Dinge für mich tun. (Stichflamme z.B., die zeichnet großartig.)

Diesmal war ich, themenfern, aber hochoffiziell, auf der Buchmesse Frankfurt.
Und siehe da, es tat sich ein Verlag auf, der durch Design rockt.
Gerade erst war die Vorstellung der Electric Book Fair beendet, die Veranstaltung, auf der es viel um Design, aber wenig um Buchcover ging; um Barrierefreiheit, um ein politisches Statement, um eBooks.
Von da aus zu Groh Design zu gehen, in einer weißen Höhle zu verschwinden, Design aus Worten, auf totem Holz, das war schon irgendwie abgefahren.

Groh-Design-Waben

Und eine sehr feine Reihe aus feinstem ‚Nichts‘ machen sie auch. Kaufen ist keine Pflicht, aber ansehen will ich empfehlen.

Dieser Text steht unter der Creative Commons Lizenz CC-BY-SA Kiane l’Azin


It's social, baby.

Hin und wieder passiert es, dass man auf einer Veranstaltung einen richtig coolen und sinnvollen Flyer in die Hand gedrückt kriegt. Zum Beispiel den von ebooxbox.

Die neuen Ideen und Kanäle um Social Media sprießen, gerade erst hat ello sich auf den Markt geschmissen und ich habe immer noch nicht rausgefunden, was das eigentlich soll. Schließlich war doch fast alles zu Anfang noch werbefrei und irgendwie hübsch.

ebooxbox hat mich aber angefixt, denn es ist für Kreative, obwohl es eigentlich gar nicht selbst kreativ ist. Logo und Design erinnern stark an die Xbox von Microsoft. Ein k.o.-Kriterium, wenn die Macher nicht so herzlich drüber lachen könnten – tun sie aber. Sehr laut sogar. Es war keine Absicht, sagen sie, das ändert natürlich nichts. Ist aber mal was Neues, Techniklook für Künstlerisches, das viel zu oft von der Übernahme von Analogem lebt.

screenshot-ebooxbox

Die Plattform soll alles machen, alles können, für die Produktiven und die, die konsumieren möchten. Es soll spreaden können, in alle Kanäle, es soll freigeben und verkaufen. Es ist einfach, intuitiv bedienbar und das, obwohl die Betaphase gerade erst angelaufen ist.

Die beiden sympathischen Jungs, sie schienen nicht so richtig darauf vorbereitet, dass ich Fragen nach Datenschutz und Finanzierungsmodell stellte. Wichtiger: Sie hatten trotzdem Antworten. Das war ein gutes, langes Gespräch, das hat sich echt angefühlt und nach Aufbruch. Wie das bei jungen Ideen eben sein sollte, damit sie überhaupt eine Chance haben.

Ich werde mir ebooxbox weiter sehr genau ansehen, teilhaben, mich jetzt einklinken um vielleicht etwas einbringen zu können.
Auch, weil sie den Schneid hatten auf der an manchen Ecken etwas angestaubten Buchmesse (der größten der Welt) aufzukreuzen und den Stand neben der SelfPub Area füllten, mir die Möglichkeit gaben von einer furchtbar langweiligen Veranstaltung zu fliehen :)

Dieser Text steht unter der Creative Commons Lizenz CC-BY-SA Kiane l’Azin


15,5 bescheuerte Fragen an...

Spoileralarm. Eine neue Serie möchte ich Euch heute hier vorstellen. Sie hört auf den schäbigen Namen „15,5 bescheuerte Fragen an…“ und ist ein Interview-Format nach identischen Formfragen, die einen bunten Querschnitt durch die deutsche Fotografen-Szene schneiden soll. Ähnlich wie meine alte Bloss nichts über Blogs Serie.

Die Idee zur Serie kam an einem dieser ganz normalen Abende eines Montags. Müde vom Tag wünschte ich mir ziemlich genau gegen 23:55 ein neues Interview-Format für Fotografen. Kaum imstande einen Fragebogen zu basteln, schrieb ich mit müden Augen meine ersten 11 Fragen zusammen. Davon waren mindestens 10 ziemlich langweilig. Eine Planänderung musste her. Ich legte ich mir OK KID auf die Ohren trank 5 Kölsch, zog mir meine Winterjacke an und setze mich wieder an den Fragebogen.

Herausgekommen ist das, was noch in der selben Nacht an 70 deutsche Fotografen raus ging.

  1. Wieso bist du eigentlich Fotograf/in?

  2. Gibt es etwas, das Du eigentlich fast genauso gut kannst?

  3. Du hast die freie Wahl und noch eine Auslösung bevor deine Kamera sich in glühende Scheiße verwandelt: Welchen Menschen würdest Du in diesem Augenblick fotografieren wollen? Bild wird natürlich wireless auf irgendein Cloud-Device übertragen. Du kannst es also nachbearbeiten, verwenden etcpp.

  4. Thema Geschlechtsverkehr mit dem Model: Okay oder Not-Okay?

  5. Kannst du eigentlich Menschen schön ablichten, die dir absolut unsympathisch sind?

  6. Wäre es nach deinen Eltern gegangen, wärst Du heute:

  7. Das Beste an der Fotografie ist in deinen Augen…

  8. Kann gute Fotografie Leben retten?

  9. Wie viele Sinne braucht ein Fotograf mindestens?

  10. Was empfindest Du, wenn du dir deine eigenen Bilder anschaust?

  11. Bist du Autodidakt?

  12. Willst Du genau das, was Du gerade machst, dein Leben lang machen?

  13. Lass uns von Visionen erzählen. Hast Du einen großen Traum, eine große Vision für Dich, deine Arbeit und deine Zukunft?

  14. Welchen Tipp würdest Du Menschen geben, die auch professioneller Fotograf werden wollen würden?

  15. Gibt es jemandem, dem du besonders viel verdankst? Karriere-Push-Up, visuelle Inspiration oder menschlichen Support?

    15,5. Wenn du aus deinem Portfolio genau ein einziges Bild zeigen dürftest, welches deine Arbeit am Besten zusammenfasst, welches wäre das?

Am 01.10 um 10:10 geht genau hier das erste Interview online!


Herbstlochtext.

‚In Aufbruchstimmung sein‘ ist so eine olle Hülse.
Wie wäre es mit…
’sich aufgebrochen haben‘?

Text Nr. 12 soll kein Politikum sein, auch wenn es davon niemals genug gibt. Wohlmöglich sind sie zu häufig, zu empört und zu kurzlebig. Wohlmöglich muss man das anders angehen, nicht darauf beharren und losgehen, in die Richtung, die gerade nicht völlig entgegen dem Bauchgefühl geht. Das fällt in die Kategorie “einfach mal machen”.

Hinein passen Dinge wie ein ziemlich furchtbar aussehendes Bild auf Leinwand klatschen; das bringt irgendwas, auch wenn das Resultat vielleicht lieber verbrannt werden sollte. Hinein passt auch eine Fremde einzuladen und beim Gespräch bis in die Nacht nicht zu versuchen den Faden im Blick zu halten; das bringt noch mehr, ist so schön unerwartet, wirft diesen netten Fakt ins Licht, dass verdammt viel unter ‘normal’ fällt. Hinein passt zu vergessen, welcher Tag ist. Hinein passt kündigen und sei es nur um die verdammte Schublade gegen die Wand zu schmeißen, wo sie fröhlich zerschellen und ignoriert liegen bleiben darf.

Was hier seit Anfang des Jahres zusammengetextet ist, hat Intention und Inspiration, selten klar voneinander abgegrenzt. Ob es hilft, unterhält oder nichts von beidem, sind ziemlich unklare Fragen. Ohne Antworten. Wenn es die gäbe, könnten wir es auch gleich lassen.

Denn keine Antworten zu haben, auf die großen Fragen, das ist – vielleicht – etwas, das weiter suchen lässt. Etwas, das eben nicht mit Druck nach vorn schiebt, sondern leicht und weit führt. Das mit dem Weg, der wenig Spuren aufweist, ihr wisst schon. Manchmal klappt das, manchmal ist es weniger denken und dadurch gar nichts überwinden müssen.
Ob nichts überwinden müssen nur eine andere Bezeichnung für Freiheit ist?

Im echten Leben gibt es genug Zwänge, genug wenns und genug abers. Im Kopf haben die nichts zu suchen.

Dieser Text steht unter der Creative Commons Lizenz CC-BY-SA Kiane l’Azin


Wegwechsel.

Kennt ihr Juli Zeh?
Ich habe noch nicht ein einziges Buch von ihr gelesen, obwohl ein paar hier rum und auf to-do-Listen stehen. Es sind Auftritte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (Hartaberfair) und Interviews, zu Mutterschaft, aber auch zum Arbeitsmarkt, oder gleich beidem, die mich an ihren Lippen halten.
Sie fragte gerade, wie Autor*innen und Verlage mit Amazon und den Veränderungen im Buchmarkt insgesamt umgehen sollen. Kurz: “Regulieren oder laufen lassen?”

„Die Autor*innen sind gierig“ habe ich als Vorwurf in meiner kleinen netzaffinen Filterblase noch nie gehört. In dieser Blase ist es meist Konsens, dass das große Übel meist die sind, die groß verdienen und sich damit nicht zufrieden geben, nicht fähig sind, es dabei zu belassen oder neues Risiko zu wagen um ihr Vermögen nicht zu verlieren. Es geht meist um die, die auf den Tisch hauen, um neue Regeln zu bekommen, mit denen sie das alte Leben weiter führen können.
Namentlich wäre das dann wohl der Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Doch das ist auch irgendwie Infostandlaufkundschaftstammtischmentalität. Will sagen: Nachgelabertes Unwissen um des Aufregers Willen.
Trotzdem sind in meiner Welt die Verwertungsgesellschaften das Problem, nicht die Künstler*innen. Da geht es nicht nur um die Aufteilung des Gewinns, sondern allem voran um die Aneignung von Rechten. Der aussichtslose Kampf befreundeter Autor*innen darum, die Hoheit über das eigene Urheberrecht zu behalten und dann der Sieg in einer für bekennende Raubmordkopierer*innen sehr kleinen Form (“in 10 Jahren kriege ich meine Rechte zurück”), dieser Kampf ist mir nicht nur im Gedächtnis geblieben, sondern tief in meinen Nerven verankert. Weil er im Gegensatz zu den freien Köpfen steht, die eh damit machen, was sie wollen, und den technischen Möglichkeiten als Nutzer*in eh zu tun, was man will.

Nun fordert Juli Zeh diese Verlage zum Handeln auf. Die, die gern zetern, und dass sie eigentlich auch nicht mehr tun als zetern, das hat sie deutlich ausgesprochen, sie verlangt mehr. Dass sie ihre und die Rechte derer verteidigen, die sie dafür bezahlen. Per se ist das keine schlechte Idee. Die Liste der Kritikpunkte an Amazon ist lang. Keine Abwiegelung. Doch ist Marktmacht nicht unbedingt etwas, das ich nicht auch all jenen vorwerfen möchte, die die verbliebenen Buchhandlungsketten füllen.
Amazon vergibt mehr Chancen und hat mehr Möglichkeiten. Amazon hatte wenig Angst und viel Innovation. Wer an diesem Punkt steht, nämlich beinahe unumgänglich zu sein, der sollte eben nicht nur auf Arschloch machen, sondern auch ein paar Dinge rocken. Dieser Riese, der tut beides. Immerhin.

Ich sage fast unumgänglich. Denn:
Gerade erst schrieb Amanda Palmer darüber, dass ihr Buch über Amazon nicht vorbestellt werden kann, da ihr Verlag Hachette sich gegenüber des Riesens und seiner Wünsche/Angebote/Erpressungen verwehrt. Weil sie darüber schrieb, wurde ich aufmerksam, dass es zu haben ist. Und kaufte es. Machbar ist das ganze also durchaus. Schuf in diesem Fall mehr Kontakt und mehr Trotz. Ich mag ja Trotz.

Das Netz, und ganz vorn dabei Amazon, hat unser Verhalten, das Kaufverhalten, aber auch den Umgang insgesamt, mit Kultur und Kreativität, so weit verändert, dass es sich überhaupt nicht mehr lohnt, darüber nachzudenken, wie wir zurückgehen könnten.

Also scheiß doch drauf. Wir könnten auch mal wieder was anderes versuchen. Ist eh meist ‘ne gute Idee.

Dieser Text steht unter der Creative Commons Lizenz CC-BY-SA Kiane l’Azin


Eiswassereimer.

Zugegeben, die ALS Ice Bucket Challenge flackerte lange nur seicht an mir vorbei. Irgendein Trend, der auch auf Privatsendern lief.
Bei ALS handelt es sich um die Krankheit, die auch Stephen Hawking hat. So als prominentes Beispiel. Nicht heilbar. Grausig. Ursachen ungeklärt.

Langsam kommen die Kritiker*innen. Die kommen immer, wenn es Publikum gibt. Ich bin heute mal beides zugleich.
Ja, ich frage mich, ob die hochkant aufgenommenen, qualitativ anstrengenden Selbstdarstellungsvideos sein müssen. In der Masse. Aber ich muss sie mir ja nicht ansehen. Was ich so poste, ist möglicherweise für die meisten Menschen ebenso unsinnig, uninteressant, aber hoffentlich nicht kontraproduktiv.
Denn das ist die Challenge wohl am aller wenigsten: kontraproduktiv.
Selbst die, die nicht spenden, teilen die Links. Es geht weiter.
Nach halbwegs aktuellem Stand sind schon 80 Mio EUR gespendet worden. Nur an die ALS Association. Unzählige weitere Spenden an andere Organisationen, in Deutschland insbesondere an die Charité Berlin, aber auch teilweise an Organisationen, die wirklich gar nichts mit ALS zu tun haben, aber immer gemeinnützig sind, gar nicht mitgerechnet.

Folgendes Bild habe ich aus einem Social Network, ich habe keine Rechte daran, weiß nicht, in welcher Zeitung er stand – das wird auch aus den Personen, die ihn geteilt haben, nicht ersichtlich, daher packe ich ihn hier ohne Quellenangabe rein, auch wenn ganz sicher eine Zeitung/ein Verlag die Rechte daran hat.

Zeitungsartikel_Ice-Bucket-Challenge_Kritik

Fast schon witzig. Ich wollte keine direkte Konfrontation riskieren, da es so offensichtlich nur um den Aufreger ging und weniger um den Inhalt.
Aber, ernsthaft?
Leute, die für gemeinnützige Organisationen arbeiten, müssen auch Miete zahlen? Welch Schock!

(Die Tierversuchsargumentation klammere ich jetzt mal aus, mit einem Link nur zur Information.)

Die Ice Bucket Challenge ist Mobilisierung, die funktioniert. Das nehme ich erstmal so zur Kenntnis und freue mich für die, denen es hilft. Denn, was ehrenamtliche Arbeit zu leisten bedeutet, können viele von uns sich kaum vorstellen und was unheilbar krank sein bedeutet, das auch nicht.

Wenn ihr beim Spenden auch noch Spaß habt und Anerkennung bekommt, werde ich doch einen Dreck tun, das zu verurteilen. Weder der Weg noch das Ziel sind verwerflich.

Dieser Text steht unter der Creative Commons Lizenz CC-BY-SA Kiane l’Azin


Awww, I like!

Wie auch immer es dazu kam (ich hatte keinen Facebook-Account zu dieser Zeit), ich sagte diesen Satz. Ständig. Away from keyboard, im sogenannten Reallife. Er verlieh meinem Wohlgefallen Ausdruck, dem Wohlgefallen, dem ich bei der Anekdote einer Kommilitonin erlag oder einer Spitze des Professors für Sprachkritik. Der Satz brachte kühle Anerkennung rüber, genau wie überdrehte Liebesanfälle, je nach Betonung.

Mittlerweile sage ich “Ich mag.” Nicht aus der Ablehnung von Anglizismen heraus, sondern wegen dieser großen sozialen Plattform, diesem Facebook. “Like” hat eingebüßt in den letzten Jahren. Ein “Like” bedeutet nichts mehr. Oder?

Ich las Artikel darüber, was sich im Newsfeed, in der Timeline von Facebook ändert, wenn man nichts oder gar alles mit ‚gefällt mir‘ votiert. Denn Algorithmen rocken, sind allerdings keine Menschen. Sie kommen nicht mal in die Nähe von emotionaler Auswahl (noch nicht), versauen mir meine Filterblase. Ich möchte gerade etwas anderes sehen und finde die Option, das ‚Like‘ vollständig wegzulassen, sehr interessant.

Was tut die Info, dass ein alter Bekannter mein Urlaubsfoto mag, mehr als seinen Voyeurismus und mein Ego kurzfristig zu befriedigen? So kurzfristig, dass es eher frustriert, wenn nicht mehr kommt, sofort, und noch mehr.
Auf der Pro-Seite stehen die Likes, auf die der Blick fällt, wenn die Werbekeule geschwungen wird. Doch auch hier bedeutet ein geteilter Link weit mehr als ein für viele unsichtbarer Daumen.

Als mir klar wurde, dass die kleine Geste nur schwer wiederzufinden ist, dass ich vergesse, was ich doch scheinbar mochte, da entschied ich mich das auch zu versuchen, das nicht-liken.
Was es mit dem Newsfeed macht, ist mir gar nicht so wichtig. Aber was sich an dem verändert, was ich für mich aus den Infos ziehe, die da kommen – langfristig – das juckt mich. Das will ich mir ansehen.

Dieser Text steht unter der Creative Commons Lizenz CC-BY-SA Kiane l’Azin


Ich bin nicht überrascht.

Triggerwarnung: Rassismus, Gewalt

Nicht darüber, dass bestimmte Dinge im größten Social Network der Welt nicht geahndet werden. Es wirft mich viel eher in meinem Optimismus für die Menschen zurück, dass Sätze wie ‘alle vergasen’ und ‘schlagt ihr den Kopf ab’ überhaupt in der Masse fallen, als dass sie nicht zensiert werden. Vielleicht bin ich immernoch zu naiv, gestehe dem oftmals rechtspopulistischen Mist zu wenig Wirkung zu. Bin empört über die Verteidigung eines Sarrazin, eines Pirinçci, und nicht zuletzt über den Erfolg eines nicht nur schlechten sondern auch dummen Menschen wie dem Vorsitzenden der AfD.

Und dann ist da die WM. ‘Die’. Die Fußballweltmeisterschaft der Männer. 2002 verstand ich das mit den Fahnen noch nicht. 2006 hatte ich eine um die Hüfte gewickelt. 2010 hatte ich irgendwie Besseres zu tun und jetzt, ja jetzt bin ich ein wenig nervös, weil Hoyerswerda nicht allzu lang nach dem letzten Sieg war.

Die Fahne jagt mir ein bisschen Angst ein, in was gut gemeinte Feierei umschlagen könnte. Everything what makes people happy can’t be bad, can it?‘, sagt eine fragwürdige, da nicht besonders kritische Figur im Film ’Good’.

Ich habe mir nicht ein einziges Spiel angesehen. Ich finde diesen Sport durchaus nicht uninteressant, dieses Interesse reicht aber bei weitem nicht an andere heran.
Mir sind die schönen Szenen nicht verborgen geblieben, die Berichte von nichtdeutschsprachigen in deutschen Trikots (klingt nach Aneignung, mag ich), die gemeinsame Glückseligkeit von Menschen aller Hautfarben, aller Größen, aller Breiten, aller Geschlechter.
Mir sind nur eben auch nicht die anderen Szenen entgangen. Von denen, die flüchten mussten vor einem Mob, der aufdringlich wurde. Von denen, die ‚Sieg Heil‘ schon immer witzig fanden. Und am schlimmsten von denen, die sagen ‚Wir sind wieder wer‘. Weil die Nationalmannschaft der Männer eine Fußballweltmeisterschaft gewonnen hat. Im Land, das Exportweltmeister ist, in dem Primark auf dem Vormarsch ist. In dem derzeit niemand wegen Homosexualität ins Gefängnis kommt, wohl vielleicht aber eher bei einer bestimmten Hautfarbe.

Ich bin dem Hastag #mobwatch gefolgt.

Der Party-Patriotimus, wie freundlich kann der tatsächlich sein?
Wenn ich mein Land liebe, wie schnell verfalle ich in Abwehrhaltung, wenn Kritik aufkommt? Wo ist die Grenze?

Es geht nicht darum nicht zu feiern. Es geht auch nicht darum nicht die guten Seiten daran zu erkennen in diesem Staat leben zu können.
Es geht darum die eigenen Privilegien wahrzunehmen und dass es Probleme gibt.

Ich wünsche mir einen lauten aus tiefstem Herzen kommenden Satz von einem Menschen, dem zugehört wird. Nicht mir. Eher einem Siegtorschützen. Oder einem Nationaltrainer. Einem Nationalmannschaftskapitän. Einem Rekordtorschützen.

Ich wünsche mir, dass einer von denen, auf denen heute beim Empfang in Berlin die Massenaufmerksamkeit liegt, brüllt:

Rassismus ist scheiße!

Dieser Text steht unter der Creative Commons Lizenz CC-BY-SA Kiane l’Azin