Frauen, die auf Fernseher starren.

Quelle: DPA

Quelle: DPA

 

Ich gehöre ja zu denen, die sich seit 10 Jahren diese Modelshow ansehen. Nicht durchgehend, nicht vollständig, aber ziemlich stetig. Und sich ein bisschen dafür schämt. Trotz all der Awareness. Und deswegen auch öffentlich nicht allzu viel dazu sagt.

Gestern jedenfalls, als das Obermodel etwas entsetzt grinste und mich in die Werbung entließ, stockte ich kurz. Die supererfolgreiche, deren Ambitionen ziemlich fragwürdig sind und deren Dialekt immer noch ein bisschen nach meinem eigenen klingt, sie war zu starr. Selbst für naja, Heidi Klum. Die ist ja immer starr. Berufsrisiko.

Dann lief Blind Side an. Einblendung. Technische Probleme. Ich denke mir noch, mit Live Streaming wär das nicht passiert.
Guter Film mit vielen Facetten und einer großartigen Sandra Bullock.
Doch trotz der guten Seele, den freundlichen, eigenen, wenn auch etwas klischeehaften Charakteren – es bleibt Hollywood. Und es bleibt eine Geschichte darüber, dass Erfolg hat, wer weiß ist und reich. Und vielleicht, unter sehr besonderen Umständen, mit sehr viel Glück, bekommt man auch dann eine Chance, wenn man das nicht ist. Sofern Weiße, Reiche dir ihre Güte angedeihen lassen. Womöglich stimmt das so. Ermutigend ist es nicht.

Am Ende des Abends hatte ich zu viel gedacht, kam zu keinem Schluss, und weder Sybille Berg noch Candy Crush Soda Saga konnten meinen Kopf zum schweigen bringen.

Dieser Text steht unter der Creative Commons Lizenz CC-BY-SA Kiane l’Azin


Selbst.

Normalerweise hat Gemecker über Gemecker ja einen aktuellen Anlass. Aber im Falle von “Facebook hat seine Datenschutzrichtlinien verschlimmbessert!” brauchen wir das ja nicht, oder? Das passiert andauernd und an manchen Tagen bin ich fast sicher, dass ich ein Posting zu einer veralteten Aufregung reingespült kriege. Etwas, dass schon lange gelaufen ist, schon lange akzeptiert und mal ehrlich, worum ging’s gerade?

Also reden wir mal wieder über Datenschutz und Post-Privacy. Die ewige Debatte.
In irgendeinem Zusammenhang dazu, irgendwann, letztens, aber für Facebookzeit wahrscheinlich schon ewig her, las ich einen aufgeregten Artikel des genialen Enno
Er ist ein bisschen böse darin, fegt hinweg über die Datenschutzhochzeiten, die Grundgesetzhörigen und die schwammigen Ideen von Informationeller Selbstbestimmung.
Möglicherweise ist das alles tatsächlich überholt, vielleicht brauchen wir etwas Neues. Ob das eines Sprungs bedarf, und wir den Graben nur überstehen müssen… ich weiß es nicht.

Doch es geht ja auch darum man selbst sein zu können. Nicht, wie man sich sieht, zumindest nicht nur, sondern darum das ertragen zu können, was andere sehen.

Ich will in einer Gesellschaft leben, in der es nicht wichtig ist, wie ich aussehe, wie ich kommuniziere, mich bewege und was ich denke. Eine erstrebenswerte Utopie und ich habe nichts gegen Utopien. Oder? Es gibt Grenzen, richtig? Ich will z.B. den Schutz eines Frauenhauses nicht gefährdet sehen. Es würde mich auch freuen, wenn ein zukünftiger Arbeitgeber mich anstellt, weil er eben nix von einer chronischen Krankheit weiß. Hypothetisch. Es ist gut und richtig, dass es nicht allzu einfach ist herauszukriegen, in welche Betreuung das Kind geht und welcher Therapeutin ich welche Traumata anvertraute. All das sind geschützte Sphären. Sie schaffen Vertrauen, sie können heilen und aufrichten, in der Gesellschaft, die noch nicht so ist, wie wir* sie gern hätten.

Was ist mit dem Übergang zu einem Umgang, den wir noch nicht genau in Worte gefasst haben?
Auf Facebook über deren neue Privacy-Policy herziehen – ja, das ist vermutlich nicht hilfreich. Doch unsere Leben finden ja auch woanders statt. Im Wartezimmer der Psychologin. Bei den Anonymen Alkoholikern. Im katholischen Kindergarten.
Und bevor das gros dieser gefährlichen Situationen nicht irgendwie anders ausgehandelt werden kann, die Solidarität noch nicht da ist, möchte ich diese Möglichkeit doch behalten.

Bleibt die Frage: Kriegen wir die Glitzerpopitzerwelt nur, indem wir den verfickten geheimnistuerischen und nur mäßig funktionierenden Datenschutz abschaffen?
Und wer trägt den Kollateralschaden?

*ich definiere das ‘wir’ nicht.

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Panik!

Arne Ulbricht hat ein Angstbuch über die Digitalisierung des Schulunterrichts geschrieben.
Was mit Angst beginnt, ist selten gut und fast niemals optimistisch.
Nun. Schule. Ohne Optimismus oder zumindest eine gehörige Portion Galgenhumor. Das hätte ich echt nicht durchgestanden.
Also, wovor hat dieser Lehrer solche Angst? Was kann einem System noch gefährlich werden, das doch schon verrottet ist bis ins Mark?

Zwei Essenzen aus seiner Kolumne im Bücher Magazin:

  1.  Jugendliche lesen keine langen Texte mehr.
  2.  In den Familien wird nur noch via Skype kommuniziert.

Letzteres will ich zuerst in den Boden stampfen und dabei dürft ihr euch gern genau das vorstellen. Wie ich aufstampe. Und zetere. What the actual, Skype? Sagt er auch iPad, wenn er Tablet meint? Kennt er den Unterschied? Wieso stellt er dann dieses Unwissen zur Schau? Ist es Kokettieren?

Kia, atme durch. Du bist keine sechzehn mehr, du bist toleranter geworden seit damals.

Woher soll ein Lehrer mit solch großer Angst vor dem Internet wissen, dass wir da genauso Zeitung lesen? Okay, vielleicht fällt es weniger auf. Wir nehmen den anderen Fahrgästen dabei nicht mehr so viel Platz weg. Und oh, wir haben Auswahl. Wagt es ja nicht zu beruteilen, wie wir auswählen! Die sechzehnjährige Kia war Cineastin und interviewgeil. Schule fand sie ätzend und auf’s Handy geschielt hat sie schon, bevor das internetfähig war. Als sie noch kein Handy hatte, übrigens, waren es unter den Tischen durchgereichte Zettel. Ziemlich ineffizient.
Heute liest sie viel. Und schreibt Bücher und so.

Damit ist auch eigentlich schon genug gesagt. Der Lehrer Ulbricht hätte vor seiner Zeit mit Sicherheit auch Angst vor dem Buchdruck gehabt.

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Sponsored: Audi präsentiert #progressivepeople Till Nowak

Das Automobil ist und bleibt ein Meilenstein der menschlichen Entwicklungsgeschichte. Kein Wunder also, dass Marken wie Audi weiterhin an progressiven Köpfen interessiert ist. Schließlich treibt jeden Menschen irgendetwas Besonderes an. Die eigne Vision, die einen nicht schlafen lässt und aus Menschen Genies formt, die schaffen, was niemand von ihnen erwartet hat. Unter dem Hashtag #progressivepeople stellt Audi jetzt in einer mehrteiligen Videoserie besonders kreative Köpfe unter dem Motto „what drives you?“ vor und widmet ihren Visionen eine eigene Bühne.

Im inzwischen dritten Portrait präsentiert sich hier nun der Hamburger Medienkünstler Till Nowak, der mit seinen aufsehenerregenden Kurzfilmen bereits über 40 Preise einheimste. Schon 2005 bekam er für seinen damaligen Abschlussfilm den Audience Award des American Film Institute verliehen. Mit seiner fiktionalen Dokumentation „The Centrifuge Brain Project“ gewann Till Nowak auch 2011 unzählige Wettbewerbe und weitere Preise. Spätestens seit dieser Zeit ist Hollywood ein Dauergast an seiner Türklingel. Seit diesem Jahr fühlt Till sich selbst auch reif genug für Los Angeles und präsentiert im April seinen ersten Langfilm. Damit erfüllt sich für Till einen langen Kindheitstraum, denn schon als kleiner Bub träumte der Medienkünstler aus Hamburg von Hollywood.

Sein aktueller Film „Dissonance“ feierte auf der diesjährigen Berlinale in der Hauptstadt seine Premiere. Der offizielle Trailer gibt Euch an dieser Stelle schon einmal einen kleinen Einblick in das Filmprojekt, welches beim European Film Award als deutscher Beitrag nominiert ist.

Platz ist aber auch für Euch und Eure Projekte bei Audi. Auf der Audi Website habt ihr die Chance, Eure Projekte vorzustellen. Die besten Projekte bekommen ebenfalls einen Platz in der Kampagne und dürfen sich über ein gleichwertiges Videofeature bei Audio freuen. Und hier geht’s los…

[Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch Audi. Du möchtest auch hier werben?]


Kümmert mich nicht.

Andreas Kümmert hat es abgelehnt für den Eurovision Songcontest zu singen.

Obwohl er sich doch darum beworben hatte. Und was passieren kann, wenn man sich um so etwas bewirbt, das sollte er doch wissen. So als Sieger von The Voice of Germany.

Carolin Ströbele mahnt uns in der Zeit, dieser Mensch würde uns nicht gehören.
Dazu gibt es auch kritische Stimmen, denn er müsste das Business mittlerweile doch kennen. Doch selbst dann, wieso sollte er nicht aussteigen können, und sei es ein PR-Coup?
Vielleicht geht es aber auch gar nicht um Andreas. Vielleicht geht es darum, dass die Konsumierenden des Casting-Hypes, des Wir-wählen-unseren-Star-Formats, darauf gestoßen wurden, dass die sogenannten Gewinner gar nicht allzu viel davon haben. Mittlerweile vielleicht sogar so wenig, dass manche es schlichtweg ablehnen.
Hypothetisch. Kann man sich ja vorstellen, oder?
Andreas ist ja bei weitem nicht der Erste.
Er scheint nur der Erste, bei dem eine größere Öffentlichkeit bemerkt, dass nicht nur Heidis Mädchen früher oder später bemerken, was Schein und was Sein ist in der bunten Glitzerwelt des Mainstream-TVs.

Andererseits kann es an was ganz anderem gelegen haben.

Woran auch immer. Wir fragen Künstler*innen nicht, ob sie annehmen, ob sie wollen. Wir gehen davon aus. Vielleicht sollten wir das einfach mal lassen. So als Anfang. Fragen können wir dann vielleicht auch mal.

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Boykott geht besser.

Alternativen im Buchhandel.

Als Praktikantin in einer kleinen Buchhandlung im ländlichen Raum wurde ich Ohrenzeugin folgenden Satzes einer wütenden Kundin:
“Wenn Sie mir dreimal hintereinander das falsche hinlegen, dann bestelle ich vielleicht doch besser bei Amazon.”
Die Buchhändlerin dampfte vor Zorn. Und ich hatte meinen Spaß.
Denn diese Buchhändlerin gehörte zu denen, die Amazon verantwortlich machten – für alles.
Euch dürfte aufgefallen sein, dass ich das ein klein wenig anders sehe, doch darum soll es hier heute nicht gehen.
Stattdessen zeigen Buchhandlungen, dass es eben doch funktioniert. Auch mit Lieferung. Auch kurzfristig. Auch kostenlos. Aber wir, die wir verwöhnt sind von den großen Plattformen, wir müssen wohl erst mit der Nase gegen den Monitor gedrückt werden.

Carmen empfiehlt Carolus, eine Fachbuchhandlung für christliche Werte, Glauben, Spiritualität.
Also packe ich meine kleine Atheistin in eine Schublade, lasse sie dort brüllen und sehe mir den Laden an. Es ist der erste Eindruck, den ich vom Versandhandel im Einzelhandel bekomme. Niedlich ist es, winzig irgendwie, wenn ich mir in Erinnerung rufe, wieviele Päckchen und Pakete ein normaler Haushalt in meiner Umgebung so bekommt.
So eine kleine Buchhandlung, die macht das als Feature, nicht als Bug. Es gehört zum guten Ton, zum Kundenservice und endet oft in einer Nullrechnung.
Beratung und Kundenservice lassen Buchhandlungen auch in Amazon-Zeiten überleben. Auch in einer Großstadt wie Frankfurt, direkt an der Haupteinkaufsmeile, bei der Support-your-local-scene weniger Bedeutung hat als in kleinen Gemeinden oder zumindest abgelegeneren Stadtteilen.
Aber: Es dauert länger. Carolus verschickt die Bücher tatsächlich via Büchersendung. Büchersendungen werden von der Post nachrangig behandelt. Es dauert schon mal eine Woche bis zum Eintreffen. Ein riesiger Nachteil. Aber meistens kommen sie an. Immerhin.
Und einfach zurück schicken, kostenfrei? Nein, auch das ist nicht drin. Im Normalfall ist das aber auch gar nicht nötig. Wir kaufen Bücher um sie zu lesen und bestellen nicht drei verschiedene Farben und Konfektionsgrößen um auszuprobieren.

Und sie sind bei weitem nicht die einzigen.

Allein im RheinMain-Gebiet gibt es noch die Buchhandlung Schutt, die leider nicht auf Mails antwortet.

Den Buchladen am Markt, der mich aber eher verwirrt, weil er Teil der großen (!) Büchergilde ist und die es nicht packen ein gemeinsames System aufzuziehen. Ganz zu schweigen davon, dass ich meine Bankdaten sicher nicht unverschlüsselt angebe. Etwas unversiert, der Laden.

Und: Osiander, bei denen ich es als nächstes probieren möchte. Die Bücher werden per Fahrradkurier noch am selben Tag geliefert. Dadurch ist das ganze zwar in der Reichweite ziemlich eingeschränkt[Osiander hat sich mit einem Kommentar zu Wort gemeldet und mich korrigiert. Sie liefern auch. Ebenso kostenlos.], aber diese Sortimentsbuchhandlung gibt’s eben auch 26 mal bisher. Gerade macht wieder eine Filiale auf.

Statt aber einfach nur mitzumachen und – ja immerhin – nicht so viel zu meckern, sondern den guten Service zu genießen, kann man das ganze natürlich auch groß feiern.
So wie ocelot.
Und die möchte ich euch ans Herz legen. Die haben sich zwar irgendwo verrechnet und knappsen jetzt rum, doch wer sich denkt “Ey, Revolution, geil, wir sind dabei!”, der darf auch mal daneben liegen.
Deren Webseite ist mir auch mit Abstand am sympathischsten. Rettet diesen Laden, er hat es verdient.

Es gibt sie, die Alternativen. Wir müssen nur wollen.

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Du bist Charlie.

der feind ist nicht der islam, der feind sind wir selber.
die naiven, die denken, dass ein like oder fav die welt verändern könnte, dass es in den kommenden wochen und monaten reichen würde, die eigene meinung zu twittern. als ob twitter der ort für eine politische oder gesellschaftliche auseinandersetzung wäre. der feind sind die faulen, deren politisches handeln nicht über das anklicken einer online-petition hinausgeht, die lieber bloggen als gegen pegida auf die straße zu gehen. der feind sind die dummen, die nicht mehr selber denken, die keine zeitung mehr lesen, die keine nachrichten mehr schauen, die politisch und gesellschaftlich uninteressierten, die sich und der welt keine fragen mehr stellen. der feind sind die nichtwähler, die nichtdenker, die nicht-aufsteher, die inaktivisten. der feind ist die herde.“

– wir sind nicht Charlie

Der Feind ist nicht der Islam. Das Problem sind fehlgeleitete Menschen, voller Hass.

Das Problem sind manchmal wir, wenn wir aus Sorge um unser Leben, um unsere Gesundheit und körperliche Unversehrtheit nicht auf die Großdemonstration gehen. So wie ich. Das Problem sind manchmal wir, wenn wir uns darüber beschweren, dass eine Online-Petition nicht die gewünschte Klickzahl erreicht. Wo es doch so einfach wäre und als ob es mehr ändern würde als jede andere Aktionsform.

Wir sind aber nicht das Problem, weil wir nicht in den Redaktionsräumen von Charlie Hebdo waren, als Menschen hingerichtet wurden. Wir sind auch nicht das Problem, weil wir keine Karikaturen zeichnen, weil wir vielleicht einfallslos sind oder dumme Sachen sagen oder ausschlafen.

Denn trotzdem wir uns nicht oft genug einsetzen, zu oft wegsehen und definitiv zu oft vor dem Fernseher, im Einkaufszentrum und am Device hängen. Wir sind Charlie. In dem Moment, in dem wir uns so bezeichnen um unserer Solidarität Ausdruck zu verleihen. Wir können alle sein, wenn wir uns kurz aufgeben und für andere hinstellen. Auch wenn wir nicht für sie sterben, wenn wir nur, egal wo, egal ob sichtbar oder hinter einem Monitor, sagen: Die sind gut. Die tun das Richtige.

Wir sind Charlie. Solange Charlie es uns erlaubt Charlie zu sein und wir den Mut haben uns dieses Label zu verpassen.

Zu tausenden gehen sie auf die Straßen, zu zehntausenden. In Dresden und München. In Hamburg und Frankfurt. Für eine offene Welt, für Willkommenskultur, für freie Bewegung und freie Kultur und für genug für alle. Sie nehmen sich die Symbole wie sie kommen und setzen sie ein. Eine Klobürste. Oder einfach nur #schneegida.

Nie hat mir der offene Rassismus und die offene Blödheit mehr Sorge bereitet als jetzt. Und nie hatte ich mehr Hoffnung, dass wir allein durch die Masse der Menschen, die für andere einstehen, doch noch die Kurve kriegen.

Also, doch. Ja.
Nous sommes Charlie.

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Zu Gast bei Tobias Bosch

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Genau so aufgeräumt und hell wie seine Website, ist auch sein Büro in einem der Kölner Hinterhöfe an der Aachenerstraße. Mit Cap und einem breiten Grinsen empfängt mich Tobias Bosch noch in der Türschwelle seiner Agentur.

Aus den hohen Räumlichkeiten organisiert Tobias zusammen mit einer Angestellten im eigenen Büro und einem Freiberufler in Berlin die Produktionen seiner Fotografen. Zu denen unter anderem Cem Guenes, Jens Ihnken, Marco J. Schöler oder Nicola Roman Walbeck gehören.

Pro Woche kommen geschätzt 10 Anfragen von neuen Fotografen, die gerne auch von Tobias Bosch und seiner Agentur vertreten werden möchten. Keine schlechte Zahl für jemanden, der erst über Umwege in die Fotografiebranche geriet und vor vier Jahren den spontanen Entschluss fasste, eine Agentur zu gründen.

Damals hatte er erst die leitende Position im Personalwesen eines Unternehmens aufgeben, um das Angebot eines Fotografen anzunehmen und dessen Studio zu managen. Nachdem der sympathische Vollbartträger dort sein Handwerk für Fotoproduktionen gelernt hatte, gründete er 2010 seine heutige Agentur unter eigenem Namen. Zu seinen Auftraggebern gehören inzwischen renommierte Agenturen wie BBDO, Ogilvy & Mather, Jung von Matt. Aber auch Brands wie Vodafone, Bayer, Carlsberg, Coca Cola, Hugo Boss und viele mehr setzen auf das Know-How seiner Agentur und die Kreativität seiner Fotografen.

Dabei treibt ihn nicht nur die Freude an der Fotografie an, sondern vor allem der Spaß, mit seinen Künstlern gemeinsam zu wachsen. Vielleicht ist auch genau das der Grund, warum er seine Fotografen so spezifisch auswählt, denn auch persönlich muss es bei ihm stimmen. „Working time is quality time. Die meiste Zeit verbringe ich auf der Arbeit und damit auch mit diesen Menschen in meinem Leben“.

Klare Worte und die beste menschliche Werbung für alle, die bereits von ihm vertreten werden. Da sind Verträge oft nur noch Formsache. Dass dieses Konzept zu funktionieren scheint, beweisen die Erfolge seiner Künstler und seine Full-Service-Foto-und-Filmproduktionen und Castings in ganz Deutschland, Europa und Südafrika.

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Tobias Bosch findet ihr mit eigner Website im Web und mit offizieller Fanpage auf Facebook.

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Coke. - Light.

Es gab da diese Kampagne von Coca Cola.

James Franco, ein verdammt gut ausgewählter Promi, Chapeau.
Immerhin, ein Mann macht an. Dass er dabei immer noch nicht zum Objekt wird, sondern Akteur bleibt, geschenkt und der Gesellschaft, die ich doch selbst mitgestalte, geschuldet. Ich fasse mir an die eigene Nase, an das eigene Interesse, auch wenn ich nicht wirklich eine Person bin, die so angemacht werden möchte. Es entzieht sich nicht meiner Vorstellungskraft, dass es zieht. Vor allem mit James Franco.
Aber eigentlich will ich mir die andere Seite ansehen, die der Frau, die, wenn sie denn überhaupt mal eine Rolle spielt, immer noch untergeht, nie Mittelpunkt ist. Da denke ich an die TV Werbung für Coke Zero, in der sie erst Manuel Neuer werden muss, damit Fußball Spaß macht, in der sie nur nach Hause gehört. Ich dachte mir, hier geht es darum, dass sie Frau sexy ist, weil sie cool ist. Das ist aber meine eigene lang eingedroschene Assoziation mit Cola insgesamt. Das coole Getränk, bevor es cool wurde, Bier zu trinken. Das coole Getränk der Grundschulendzeit, des Umbruchs vielleicht. Da lässt sich so wundervoll viel hinein interpretieren.
James Franco und ziemlich gute Drehbuchautor*innen schaffen es das Getränk zur Ursache der Ausstrahlung zu machen, nicht den Körper. Zumindest habe ich erstaunlich wenig nackte, orangenhautfreie Ärsche gesehen. Sie schaffen es sogar bei mir und James Franco ist nun wirklich nicht mein Typ.

Und dann lese ich etwas von Fatshaming. Ich frage mich, wo, ich frage mich, wann. Ein Nebensatz, der mir entging? Nein. Auf der Plakatwerbung fällt “Null Kalorien” ins Auge. Natürlich, wir sprechen von der Lightversion. Das ist also eine Werbung, die Frauen suggeriert, sie müssten ein Getränk ohne Kalorien zu sich nehmen um cool zu sein. Ist das das gleiche wie schlank sein um cool zu sein?

Ja, dass da Heteronormativität läuft, Sexismus, ja, ja, ja. Aber da habe ich eben echt schon Schlimmeres gesehen.
Doch dass das Fatshaming an mir vorbeigeht, der Körperkult, der seinen Namen nicht verdient, der Zwang zum dünn sein, zum photogeshoppt sein, das… naja, ich weiß nicht, ob ich mich dafür schämen soll, nicht genug Awareness zu besitzen oder ob ich strunzglücklich bin – denn vielleicht habe ich es nur nicht bemerkt, weil es mich dank all der Aufklärung, die diese Masse toller Feministinnen im Netz leistet, einfach nicht mehr so juckt.

Wäre ein ziemlich egozentrischer und gesellschaftspolitisch wenig hilfreicher Grund.
Aber ein hübscher, oder?
Darf ja auch mal sein.

Dieser Text steht unter der Creative Commons Lizenz CC-BY-SA Kiane l’Azin


Er hat sich einen eBook Reader gekauft.

Ben hat sich einen Kindle gekauft. Es ist ein schwacher Moment, denn er boykottiert doch eigentlich Amazon. Aber so ein eBook Reader ist eben geil für solche, die gern lesen, aber selten zweimal, für solche, die gern Platz haben für andere Dinge als verstaubtes totes Holz. Leute wie mich. Und Leute wie ihn.
Und ausnahmsweise verfechte ich heute mal nicht Amazon, sondern versuche ein paar Möglichkeiten aufzuzeigen an coole eBooks zu kommen. Möglichst günstig.
Übrigens, wer gern englisch liest oder es zumindest kann, ist klar im Vorteil. In Deutschland gibt es die Buchpreisbindung, das macht auch digitalen Kram saumäßig teuer.

1. Ab sofort wollt ihr alles als PDF. Denn PDF kann man sich easypeasy auf den Kindle schicken und es da etwas augenschonender lesen.

2. Fachliteratur unter Creative Commons: Der De Gruyter Verlag bietet viel Literatur unter Creative Commons oder anderen freien Lizenzen an. Und ja, das kann man auf der Webseite filtern und die Texte direkt runterladen.

3. FanFiction. Und zwar auf einer deutschen Webseite. Registrierung ist notwendig und nicht jugendfreie Texte können ohne Verifizierung nur nachts aufgerufen werden. Gnah. Aber immerhin bieten sie direkten Download als HTML und epub an. – das englischsprachige Pendant, das weitaus größer, weitaus umfassender ist und wundervoll auf Jugendschutz pfeift, meide ich. Denn die bieten nicht nur nix an, die unterbinden sogar Copy-Paste. Bei Fanfiction. Also auf einer Plattform, die vom laissez-faire-Umgang mit Urheberrechten lebt.

4. Für Belletristik muss mensch sich durchwuseln. So wie sich früher™ durch Buchhandlungen, lange Listen und mündliche Empfehlungen geackert wurde, ackert es sich heute durch das weit größere Netz. Einzelne Plattformen funktionieren ähnlich. Für kürzere und dadurch günstige Texte oder Lyrik lässt es sich auf keinverlag.de stöbern. Copy-Paste lassen die zu.

5. Zuletzt: Kaufen. Ja, auch bei Amazon. Hier gilt es ggf. drauf zu achten, dass die Datei DRM frei ist. Konvertieren lässt sich alles mit Calibre. Muss man sich aber reinarbeiten. (Ich kann damit immer noch nicht umgehen.)

Der Textkonsum hat sich massiv verändert, anlesen, weiterklicken, bookmarken, runterladen, wiederfinden. Es geht schneller ja und es geht weiter. Doch das Finden von Texten, das ist immer noch dasselbe, nur dass ich dafür nicht mehr zwingend aufstehen muss. Die Empfehlungen kommen heute eher in einer Mail oder im Chat, eine neue Plattform wird mir in die Timeline gespült und weckt mein Interesse.

Und nein, eine Plattform nur für freie Kultur – was Texte anbelangt – gibt es nicht. Warum nicht? Wenn ich das wüsste. Und wenn ich die Muse hätte das zu ändern.

Achtung: Diese Aufzählung hat keinen Anspruch vollständig zu sein und egal, wie sie sich erweitert, das wird niemals der Fall sein.

Dieser Text steht unter der Creative Commons Lizenz CC-BY-SA Kiane l’Azin