Frauen, die auf Fernseher starren.

Quelle: DPA

Quelle: DPA

 

Ich gehöre ja zu denen, die sich seit 10 Jahren diese Modelshow ansehen. Nicht durchgehend, nicht vollständig, aber ziemlich stetig. Und sich ein bisschen dafür schämt. Trotz all der Awareness. Und deswegen auch öffentlich nicht allzu viel dazu sagt.

Gestern jedenfalls, als das Obermodel etwas entsetzt grinste und mich in die Werbung entließ, stockte ich kurz. Die supererfolgreiche, deren Ambitionen ziemlich fragwürdig sind und deren Dialekt immer noch ein bisschen nach meinem eigenen klingt, sie war zu starr. Selbst für naja, Heidi Klum. Die ist ja immer starr. Berufsrisiko.

Dann lief Blind Side an. Einblendung. Technische Probleme. Ich denke mir noch, mit Live Streaming wär das nicht passiert.
Guter Film mit vielen Facetten und einer großartigen Sandra Bullock.
Doch trotz der guten Seele, den freundlichen, eigenen, wenn auch etwas klischeehaften Charakteren – es bleibt Hollywood. Und es bleibt eine Geschichte darüber, dass Erfolg hat, wer weiß ist und reich. Und vielleicht, unter sehr besonderen Umständen, mit sehr viel Glück, bekommt man auch dann eine Chance, wenn man das nicht ist. Sofern Weiße, Reiche dir ihre Güte angedeihen lassen. Womöglich stimmt das so. Ermutigend ist es nicht.

Am Ende des Abends hatte ich zu viel gedacht, kam zu keinem Schluss, und weder Sybille Berg noch Candy Crush Soda Saga konnten meinen Kopf zum schweigen bringen.

Dieser Text steht unter der Creative Commons Lizenz CC-BY-SA Kiane l’Azin


Selbst.

Normalerweise hat Gemecker über Gemecker ja einen aktuellen Anlass. Aber im Falle von “Facebook hat seine Datenschutzrichtlinien verschlimmbessert!” brauchen wir das ja nicht, oder? Das passiert andauernd und an manchen Tagen bin ich fast sicher, dass ich ein Posting zu einer veralteten Aufregung reingespült kriege. Etwas, dass schon lange gelaufen ist, schon lange akzeptiert und mal ehrlich, worum ging’s gerade?

Also reden wir mal wieder über Datenschutz und Post-Privacy. Die ewige Debatte.
In irgendeinem Zusammenhang dazu, irgendwann, letztens, aber für Facebookzeit wahrscheinlich schon ewig her, las ich einen aufgeregten Artikel des genialen Enno
Er ist ein bisschen böse darin, fegt hinweg über die Datenschutzhochzeiten, die Grundgesetzhörigen und die schwammigen Ideen von Informationeller Selbstbestimmung.
Möglicherweise ist das alles tatsächlich überholt, vielleicht brauchen wir etwas Neues. Ob das eines Sprungs bedarf, und wir den Graben nur überstehen müssen… ich weiß es nicht.

Doch es geht ja auch darum man selbst sein zu können. Nicht, wie man sich sieht, zumindest nicht nur, sondern darum das ertragen zu können, was andere sehen.

Ich will in einer Gesellschaft leben, in der es nicht wichtig ist, wie ich aussehe, wie ich kommuniziere, mich bewege und was ich denke. Eine erstrebenswerte Utopie und ich habe nichts gegen Utopien. Oder? Es gibt Grenzen, richtig? Ich will z.B. den Schutz eines Frauenhauses nicht gefährdet sehen. Es würde mich auch freuen, wenn ein zukünftiger Arbeitgeber mich anstellt, weil er eben nix von einer chronischen Krankheit weiß. Hypothetisch. Es ist gut und richtig, dass es nicht allzu einfach ist herauszukriegen, in welche Betreuung das Kind geht und welcher Therapeutin ich welche Traumata anvertraute. All das sind geschützte Sphären. Sie schaffen Vertrauen, sie können heilen und aufrichten, in der Gesellschaft, die noch nicht so ist, wie wir* sie gern hätten.

Was ist mit dem Übergang zu einem Umgang, den wir noch nicht genau in Worte gefasst haben?
Auf Facebook über deren neue Privacy-Policy herziehen – ja, das ist vermutlich nicht hilfreich. Doch unsere Leben finden ja auch woanders statt. Im Wartezimmer der Psychologin. Bei den Anonymen Alkoholikern. Im katholischen Kindergarten.
Und bevor das gros dieser gefährlichen Situationen nicht irgendwie anders ausgehandelt werden kann, die Solidarität noch nicht da ist, möchte ich diese Möglichkeit doch behalten.

Bleibt die Frage: Kriegen wir die Glitzerpopitzerwelt nur, indem wir den verfickten geheimnistuerischen und nur mäßig funktionierenden Datenschutz abschaffen?
Und wer trägt den Kollateralschaden?

*ich definiere das ‘wir’ nicht.

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Panik!

Arne Ulbricht hat ein Angstbuch über die Digitalisierung des Schulunterrichts geschrieben.
Was mit Angst beginnt, ist selten gut und fast niemals optimistisch.
Nun. Schule. Ohne Optimismus oder zumindest eine gehörige Portion Galgenhumor. Das hätte ich echt nicht durchgestanden.
Also, wovor hat dieser Lehrer solche Angst? Was kann einem System noch gefährlich werden, das doch schon verrottet ist bis ins Mark?

Zwei Essenzen aus seiner Kolumne im Bücher Magazin:

  1.  Jugendliche lesen keine langen Texte mehr.
  2.  In den Familien wird nur noch via Skype kommuniziert.

Letzteres will ich zuerst in den Boden stampfen und dabei dürft ihr euch gern genau das vorstellen. Wie ich aufstampe. Und zetere. What the actual, Skype? Sagt er auch iPad, wenn er Tablet meint? Kennt er den Unterschied? Wieso stellt er dann dieses Unwissen zur Schau? Ist es Kokettieren?

Kia, atme durch. Du bist keine sechzehn mehr, du bist toleranter geworden seit damals.

Woher soll ein Lehrer mit solch großer Angst vor dem Internet wissen, dass wir da genauso Zeitung lesen? Okay, vielleicht fällt es weniger auf. Wir nehmen den anderen Fahrgästen dabei nicht mehr so viel Platz weg. Und oh, wir haben Auswahl. Wagt es ja nicht zu beruteilen, wie wir auswählen! Die sechzehnjährige Kia war Cineastin und interviewgeil. Schule fand sie ätzend und auf’s Handy geschielt hat sie schon, bevor das internetfähig war. Als sie noch kein Handy hatte, übrigens, waren es unter den Tischen durchgereichte Zettel. Ziemlich ineffizient.
Heute liest sie viel. Und schreibt Bücher und so.

Damit ist auch eigentlich schon genug gesagt. Der Lehrer Ulbricht hätte vor seiner Zeit mit Sicherheit auch Angst vor dem Buchdruck gehabt.

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Sponsored: Audi präsentiert #progressivepeople Till Nowak

Das Automobil ist und bleibt ein Meilenstein der menschlichen Entwicklungsgeschichte. Kein Wunder also, dass Marken wie Audi weiterhin an progressiven Köpfen interessiert ist. Schließlich treibt jeden Menschen irgendetwas Besonderes an. Die eigne Vision, die einen nicht schlafen lässt und aus Menschen Genies formt, die schaffen, was niemand von ihnen erwartet hat. Unter dem Hashtag #progressivepeople stellt Audi jetzt in einer mehrteiligen Videoserie besonders kreative Köpfe unter dem Motto „what drives you?“ vor und widmet ihren Visionen eine eigene Bühne.

Im inzwischen dritten Portrait präsentiert sich hier nun der Hamburger Medienkünstler Till Nowak, der mit seinen aufsehenerregenden Kurzfilmen bereits über 40 Preise einheimste. Schon 2005 bekam er für seinen damaligen Abschlussfilm den Audience Award des American Film Institute verliehen. Mit seiner fiktionalen Dokumentation „The Centrifuge Brain Project“ gewann Till Nowak auch 2011 unzählige Wettbewerbe und weitere Preise. Spätestens seit dieser Zeit ist Hollywood ein Dauergast an seiner Türklingel. Seit diesem Jahr fühlt Till sich selbst auch reif genug für Los Angeles und präsentiert im April seinen ersten Langfilm. Damit erfüllt sich für Till einen langen Kindheitstraum, denn schon als kleiner Bub träumte der Medienkünstler aus Hamburg von Hollywood.

Sein aktueller Film „Dissonance“ feierte auf der diesjährigen Berlinale in der Hauptstadt seine Premiere. Der offizielle Trailer gibt Euch an dieser Stelle schon einmal einen kleinen Einblick in das Filmprojekt, welches beim European Film Award als deutscher Beitrag nominiert ist.

Platz ist aber auch für Euch und Eure Projekte bei Audi. Auf der Audi Website habt ihr die Chance, Eure Projekte vorzustellen. Die besten Projekte bekommen ebenfalls einen Platz in der Kampagne und dürfen sich über ein gleichwertiges Videofeature bei Audio freuen. Und hier geht’s los…

[Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch Audi. Du möchtest auch hier werben?]


Kümmert mich nicht.

Andreas Kümmert hat es abgelehnt für den Eurovision Songcontest zu singen.

Obwohl er sich doch darum beworben hatte. Und was passieren kann, wenn man sich um so etwas bewirbt, das sollte er doch wissen. So als Sieger von The Voice of Germany.

Carolin Ströbele mahnt uns in der Zeit, dieser Mensch würde uns nicht gehören.
Dazu gibt es auch kritische Stimmen, denn er müsste das Business mittlerweile doch kennen. Doch selbst dann, wieso sollte er nicht aussteigen können, und sei es ein PR-Coup?
Vielleicht geht es aber auch gar nicht um Andreas. Vielleicht geht es darum, dass die Konsumierenden des Casting-Hypes, des Wir-wählen-unseren-Star-Formats, darauf gestoßen wurden, dass die sogenannten Gewinner gar nicht allzu viel davon haben. Mittlerweile vielleicht sogar so wenig, dass manche es schlichtweg ablehnen.
Hypothetisch. Kann man sich ja vorstellen, oder?
Andreas ist ja bei weitem nicht der Erste.
Er scheint nur der Erste, bei dem eine größere Öffentlichkeit bemerkt, dass nicht nur Heidis Mädchen früher oder später bemerken, was Schein und was Sein ist in der bunten Glitzerwelt des Mainstream-TVs.

Andererseits kann es an was ganz anderem gelegen haben.

Woran auch immer. Wir fragen Künstler*innen nicht, ob sie annehmen, ob sie wollen. Wir gehen davon aus. Vielleicht sollten wir das einfach mal lassen. So als Anfang. Fragen können wir dann vielleicht auch mal.

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Boykott geht besser.

Alternativen im Buchhandel.

Als Praktikantin in einer kleinen Buchhandlung im ländlichen Raum wurde ich Ohrenzeugin folgenden Satzes einer wütenden Kundin:
“Wenn Sie mir dreimal hintereinander das falsche hinlegen, dann bestelle ich vielleicht doch besser bei Amazon.”
Die Buchhändlerin dampfte vor Zorn. Und ich hatte meinen Spaß.
Denn diese Buchhändlerin gehörte zu denen, die Amazon verantwortlich machten – für alles.
Euch dürfte aufgefallen sein, dass ich das ein klein wenig anders sehe, doch darum soll es hier heute nicht gehen.
Stattdessen zeigen Buchhandlungen, dass es eben doch funktioniert. Auch mit Lieferung. Auch kurzfristig. Auch kostenlos. Aber wir, die wir verwöhnt sind von den großen Plattformen, wir müssen wohl erst mit der Nase gegen den Monitor gedrückt werden.

Carmen empfiehlt Carolus, eine Fachbuchhandlung für christliche Werte, Glauben, Spiritualität.
Also packe ich meine kleine Atheistin in eine Schublade, lasse sie dort brüllen und sehe mir den Laden an. Es ist der erste Eindruck, den ich vom Versandhandel im Einzelhandel bekomme. Niedlich ist es, winzig irgendwie, wenn ich mir in Erinnerung rufe, wieviele Päckchen und Pakete ein normaler Haushalt in meiner Umgebung so bekommt.
So eine kleine Buchhandlung, die macht das als Feature, nicht als Bug. Es gehört zum guten Ton, zum Kundenservice und endet oft in einer Nullrechnung.
Beratung und Kundenservice lassen Buchhandlungen auch in Amazon-Zeiten überleben. Auch in einer Großstadt wie Frankfurt, direkt an der Haupteinkaufsmeile, bei der Support-your-local-scene weniger Bedeutung hat als in kleinen Gemeinden oder zumindest abgelegeneren Stadtteilen.
Aber: Es dauert länger. Carolus verschickt die Bücher tatsächlich via Büchersendung. Büchersendungen werden von der Post nachrangig behandelt. Es dauert schon mal eine Woche bis zum Eintreffen. Ein riesiger Nachteil. Aber meistens kommen sie an. Immerhin.
Und einfach zurück schicken, kostenfrei? Nein, auch das ist nicht drin. Im Normalfall ist das aber auch gar nicht nötig. Wir kaufen Bücher um sie zu lesen und bestellen nicht drei verschiedene Farben und Konfektionsgrößen um auszuprobieren.

Und sie sind bei weitem nicht die einzigen.

Allein im RheinMain-Gebiet gibt es noch die Buchhandlung Schutt, die leider nicht auf Mails antwortet.

Den Buchladen am Markt, der mich aber eher verwirrt, weil er Teil der großen (!) Büchergilde ist und die es nicht packen ein gemeinsames System aufzuziehen. Ganz zu schweigen davon, dass ich meine Bankdaten sicher nicht unverschlüsselt angebe. Etwas unversiert, der Laden.

Und: Osiander, bei denen ich es als nächstes probieren möchte. Die Bücher werden per Fahrradkurier noch am selben Tag geliefert. Dadurch ist das ganze zwar in der Reichweite ziemlich eingeschränkt[Osiander hat sich mit einem Kommentar zu Wort gemeldet und mich korrigiert. Sie liefern auch. Ebenso kostenlos.], aber diese Sortimentsbuchhandlung gibt’s eben auch 26 mal bisher. Gerade macht wieder eine Filiale auf.

Statt aber einfach nur mitzumachen und – ja immerhin – nicht so viel zu meckern, sondern den guten Service zu genießen, kann man das ganze natürlich auch groß feiern.
So wie ocelot.
Und die möchte ich euch ans Herz legen. Die haben sich zwar irgendwo verrechnet und knappsen jetzt rum, doch wer sich denkt “Ey, Revolution, geil, wir sind dabei!”, der darf auch mal daneben liegen.
Deren Webseite ist mir auch mit Abstand am sympathischsten. Rettet diesen Laden, er hat es verdient.

Es gibt sie, die Alternativen. Wir müssen nur wollen.

Dieser Text steht unter der Creative Commons Lizenz CC-BY-SA Kiane l’Azin


15,5 bescheuerte Fragen an Julian Essink

Er hat mit Sicherheit eine der langweiligsten Fotografen-Websites im Netz. Dafür sind seine Arbeiten aber umso geiler. Was der Rheda-Wiedenbrücker immer aus seiner Kamera zaubert sind astreine Portraits. Vor allem von Musikern. Olson, Cro, Casper, Macklemore, Prinz Pi sind nur einige Namen derer, denen er schon die Linse vorhielt. Seit Talent bewies er zuletzt auch für den Kalender von Hagedorn, den ich erst vor wenigen Wochen hier gefeatured hatte. Und weil ich so großer Fan seiner Arbeit bin, freue ich mich ungemein Euch heute endlich seine 15,5 Antworten zu präsentieren. Let’s roll!

1) Wieso bist du eigentlich Fotograf?
Haben das in der 10. Klasse in Kunst gemacht. Fand ich geil, hab ich weitergemacht und jetzt sitz ich hier.

2) Gibt es etwas, das Du eigentlich fast genauso gut kannst?
Ich war mal recht gut im Basketball, aber dann bin ich faul geworden. Daher würde ich grade sagen, dass ich ein guter Spülmaschineneinräumer bin.

3) Du hast die freie Wahl und noch eine Auslösung bevor deine Kamera sich in glühende Scheiße verwandelt: Welchen Menschen würdest Du in diesem Augenblick fotografieren wollen? Bild wird natürlich wireless auf irgendein Cloud-Device übertragen. Du kannst es also nachbearbeiten, verwenden etcpp.
Wenn ich Jay-Z habe, höre ich auf und eröffne eine Restaurantkette namens Tarte-Ort. Jeden Tag eine gute Tarte.

4) Thema Geschlechtsverkehr mit dem Model: Okay oder Not-Okay?
What David Daub said. Aber an sich Jedem das Seine.

5) Kannst du eigentlich Menschen schön ablichten, die dir absolut unsympathisch sind?
Jap.

6) Wäre es nach deinen Eltern gegangen, wärst Du heute:
Wahrscheinlich hätte ich dann Sport und Medizin gemacht. Hätte auch gepasst…aber ich hab mir das Ganze mit der Fotografie 3 Jahre vorm Abi überlegt und seitdem bekomme ich da auch jeden Beistand. Danke Mama, danke Papa.

7) Das Beste an der Fotografie ist in deinen Augen…
Ohne die Fotografie, würden mir die schönsten Erlebnisse meines Lebens fehlen.

8) Kann gute Fotografie Leben retten?
Ich glaube das hängt mehr vom Betrachter ab als vom Foto. Jemand der durch ein Foto motiviert wurde, irgendetwas gutes zu tun, hatte diesen Sinn zu Helfen auch schon vorher in sich. Den hat nicht die Fotografie geweckt, sondern nur in eine Richtung gelenkt.

9) Wie viele Sinne braucht ein Fotograf mindestens?
4 (einschließlich des 6. Sinns)

10) Was empfindest Du, wenn du dir deine eigenen Bilder anschaust?
Ich glaube, dass das alles gleich aussieht. Auf ein paar Sachen bin ich aber schon ein bisschen stolz und verbinde große Erinnerungen damit.

11) Bist du Autodidakt?
Jap…ich studiere den Quatsch zwar und hab auch mal ein Praktikum gemacht, aber das was ich kann ist dadurch nicht besonders beeinflusst worden.

12) Willst Du genau das, was Du gerade machst, dein Leben lang machen?
Nö…von der Fotografie muss ich erstmal richtig leben können. Dann sehen wir weiter. Ansonsten siehe Frage Nr. 3.

13) Lass uns von Visionen erzählen. Hast Du einen großen Traum, eine große Vision für Dich, deine Arbeit und deine Zukunft?
Ekelbegriff: Work-Life-Balance. Ich kann gut arbeiten, aber wenn darunter mein näheres Umfeld leidet, bin ich damit ja auch nicht glücklich.

14) Welchen Tipp würdest Du Menschen geben, die auch professioneller Fotograf werden wollen würden?
Nehmt euch viel Zeit. Guckt genau hin. Beschäftigt euch mit der Thematik. Fotografiert viel.

15) Gibt es jemandem, dem du besonders viel verdankst? Karriere-Push-Up, visuelle Inspiration oder menschlichen Support?
Familie, Freunde, ständig wechselnde Weggefährten. Ich hab im Praktikum um den Job herum viel positives und negatives gelernt. Man macht glaub ich überall seine Erfahrungen – daraus muss man lernen. Und Annie Leibovitz ist die großartigste Fotografin ever.

15,5) Wenn du aus deinem Portfolio genau ein einziges Bild zeigen dürftest, welches deine Arbeit am Besten zusammenfasst, welches wäre das?
Dass grade die 0,5-Frage die schwierigste ist. Ich glaube der A$AP Rocky hier passt ganz gut – ich fotografier gern Musiker, gerne Portrait, gerne unter zeitlichem Druck, und das Licht passt auch eigentlich zu mir. Immer schön nur ein Blitz. Recht schlicht. 5-Mal ausgelöst, bedankt, Props bekommen, Anspannungsabfall und Freude.

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Bilder © Julian Essink


15,5 bescheuerte Fragen an Jennifer Zehl

Die gelernte Grafikdesignerin aus Neuss lässt sich eigentlich gar nicht so einfach beschreiben. Auf ihrer für Fotografen überproportional schönen Website zeigt sie vor allem Arbeiten aus den Bereichen Fashion, Beauty und Editorial. Was man dort nicht sieht – Jennifer Zehl macht auch wunderschöne Making-Of-Fotos von Produktionen ihrer Kollegen. Den ein oder anderen Einblick könntet ihr jetzt auf Instagram bekommen.

Und weil es ja wichtig ist, was der fotografische Nachwuchs so denkt, gibt es jetzt auch Jennifers Antworten auf die 15,5 bescheuerte Fragen aus meinem Sprachzentrum.

1) Wieso bist du eigentlich Fotografin?
Das, lieber Ben, ist eine gute Frage.

2) Gibt es etwas, das Du eigentlich fast genauso gut kannst?
Reden. Meine Ma sagt immer, ich hätte mit 10 Monaten damit angefangen und nie wieder aufgehört.

3) Du hast die freie Wahl und noch eine Auslösung bevor deine Kamera sich in glühende Scheiße verwandelt: Welchen Menschen würdest Du in diesem Augenblick fotografieren wollen? Bild wird natürlich wireless auf irgendein Cloud-Device übertragen. Du kannst es also nachbearbeiten, verwenden etcpp.
Ellen von Unwerth. Mit der Hoffnung, dass sie mich nach der bedauerlichen Situation mit meiner Kamera noch auf einen Kaffee einlädt.

4) Thema Geschlechtsverkehr mit dem Model: Okay oder Not-Okay?
Bis jetzt habe ich fast ausschließlich hübsche Mädels fotografiert…ich bin mir sicher, mein Freund hätte nichts dagegen 😀 Spaß beiseite, es muss ja nicht immer nur in der Kamera „klick“ machen. Solange nichts erzwungen ist oder auf der Terry-Schiene läuft, ist doch alles gut.

5) Kannst du eigentlich Menschen schön ablichten, die dir absolut unsympathisch sind?
Bis jetzt hatte ich das Glück und habe nur mit netten Menschen zusammengearbeitet. Aber ich bin vom Humor her ziemlich flexibel und kann mit fast allen Menschen über irgendetwas lachen. Da findet sich bestimmt immer eine schöne Seite.

6) Wäre es nach deinen Eltern gegangen, wärst Du heute:
Hmmm…gute Frage…*Whatsapp an Mama um 22:54*
„Mama, wenn es nach dir gehen würde, was wäre ich dann heute?“
„Hä?“
„Sag mal bitte“
„Gesund und glücklich, das ist das, was du sein solltest. Beruflich wolltest du Anwältin werden, das weiß ich noch, aber ich hatte für dich nie einen berufswunsch :*“

7) Das Beste an der Fotografie ist in deinen Augen…
Anderen Menschen zu zeigen, was ich schön finde und wie ich die Welt sehe oder gerne hätte.

8) Kann gute Fotografie Leben retten?
Ja, genauso wie sie es nehmen kann. Es liegt immer in der Art der Verwendung und ist daher mit das wichtigste Manipulationsmittel in den Medien.

9) Wie viele Sinne braucht ein Fotograf mindestens?
Ob man unbedingt riechen muss, was man fotografiert weiß ich nicht. Zum Tastsinn sind wir ja schon bei Frage 4. gekommen. Sehen wäre schon nicht schlecht, aber auch da gibt es Ausnahmetalente…aber einen „Spezial“-Sinn sollte man haben: Den für den richtigen Moment.

10) Was empfindest Du, wenn du dir deine eigenen Bilder anschaust?
F*ck yeah, ich hab Feuer gemacht.

11) Bist du Autodidakt?
Vielleicht habe ich mal so angefangen. Aber ich habe immer das Bedürfnis etwas Neues zu lernen und das geht heutzutage – dank Tutorials etc. – sehr schnell und von Zuhause aus. Ich bin mir nicht sicher, ob man dann noch Autodidakt ist.

12) Willst Du genau das, was Du gerade machst, dein Leben lang machen?
Ich gebe zu, die Fotografie hat mich ziemlich gepackt. Aber sowohl aus philosophischer, als auch aus technischer Sicht kann ich noch viel lernen. Wer weiß, wohin es mich noch treibt.

13) Lass uns von Visionen erzählen. Hast Du einen großen Traum, eine große Vision für Dich, deine Arbeit und deine Zukunft?
Ich strebe das Fotografen-Level over 9000 an.

14) Welchen Tipp würdest Du Menschen geben, die auch professioneller Fotograf werden wollen würden?
Ich werde auf keinen Fall sagen „Davon gibt es genug“ oder „Da verdient man heutzutage nichts mehr“…so etwas muss man sich ja ständig anhören. Ich würde mir selbst den Tipp geben: „Probier aus, lass dich nicht zu viel vom Internet beeinflussen, finde deinen eigenen Stil und mach was draus!“.

15) Gibt es jemandem, dem du besonders viel verdankst? Karriere-Push-Up, visuelle Inspiration oder menschlichen Support?
Mein größtes und bestes Backup ist mein Freund. Er ist zu jeder Zeit ehrlich und aufrichtig und unterstützt mich, wo es nur geht. Außerdem ist er ziemlich witzig. Und er pausiert sogar mal ein Spiel auf der Playstation, wenn ich ihn frage: „Schatz, findest du rechts oder links besser?“

15,5) Wenn du aus deinem Portfolio genau ein einziges Bild zeigen dürftest, welches deine Arbeit am Besten zusammenfasst, welches wäre das?

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© Portfoliobild: Jennifer Zehl, Portraitfoto: Amanda Berens

Mehr Antworten auf 15,5 bescheuerte Fragen bekommt ihr hier…


15,5 bescheuerte Fragen an Kilian Schönberger

Es soll Menschen geben, die haben einen großen Spaß daran mit ihrer Kamera stundenlang durch die Landschaft zu laufen, in Zelten zu schlafen und zu extrem unmenschlichen Zeiten aufzustehen, nur, um lebloses Material zu fotografieren. Was mir bisher immer relativ unbegreiflich erschien, widerlegt Kilian Schönberger mit einem Schlag. Seine Landschaftsaufnahmen sind so imposant und inspirierend, dass ich mich scheinbar doch endlich mehr mit dieser Facette der Fotografie beschäftigen sollte. Bis dahin überzeugt Euch Kilian einfach selbst mit seinen 15,5 Antworten.

1) Wieso bist du eigentlich Fotograf?
Um das was ist festzuhalten. Fotografie ist gefrorene Zeit.

2) Gibt es etwas, das Du eigentlich fast genauso gut kannst?
Landkarten lesen.

3) Du hast die freie Wahl und noch eine Auslösung bevor deine Kamera sich in glühende Scheiße verwandelt: Welchen Menschen würdest Du in diesem Augenblick fotografieren wollen? Bild wird natürlich wireless auf irgendein Cloud-Device übertragen. Du kannst es also nachbearbeiten, verwenden etcpp.
Vladimir Putin mit nacktem Oberkörper auf einem Bären bei Nebel durch die Taiga reitend.

4) Thema Geschlechtsverkehr mit dem Model: Okay oder Not-Okay?
Meine Modelle sind ja meist etwas hölzern… ich hab zu Bäumen noch keine Objektophilie entwickelt.

5) Kannst du eigentlich Menschen schön ablichten, die dir absolut unsympathisch sind?
Ich glaub es würde sich erst gar keine Gelegenheit dazu ergeben…

6) Wäre es nach deinen Eltern gegangen, wärst Du heute:
Vermutlich irgendwas mit Architektur.

7) Das Beste an der Fotografie ist in deinen Augen…
Teil der visuellen Lawine zu sein, welche die Menschheit momentan erschlägt.

8) Kann gute Fotografie Leben retten?
Das Pervers-Paradoxe ist ja, dass es „gute Fotografien“ gibt die zeigen, wie Menschen sterben / schwer verletzt werden. Im Nachhinein können diese Bilder als fotografische Ikonen vermutlich vorbeugend Leben retten, indem sie für gewisse Missstände sensibilisieren.

9) Wie viele Sinne braucht ein Fotograf mindestens?
Geschäftssinn ist empfehlenswert… der Rest scheinbar vernachlässigbar

10) Was empfindest Du, wenn du dir deine eigenen Bilder anschaust?
Das Gefühl ein Buch aufzuschlagen. Ein bisschen seh ich mich als visueller Geschichtenerzähler.

11) Bist du Autodidakt?
Ja. Ich hab Diplom-Geographie studiert… die Diplomarbeit ging über die Rolle von Stadt- und Naturlandschaften in der Werbung – insofern hab ich mich auch ein wenig in der Theorie mit meinem Motivbereich beschäftigt.

12) Willst Du genau das, was Du gerade machst, dein Leben lang machen?
Ich glaube nicht. Die Vorstellung ständig in spannende Länder zum Fotografieren zu fahren ist zwar verlockend, aber ich glaube nach einiger Zeit würd mir ein wenig die Substanz / der Mehrwert in meiner Tätigkeit fehlen. Aber alles zu seiner Zeit, derzeit bin ich mit der Entwicklung der Dinge sehr zufrieden.

13) Lass uns von Visionen erzählen. Hast Du einen großen Traum, eine große Vision für Dich, deine Arbeit und deine Zukunft?
Meine Vision ist, dazu beizutragen, dass die Bedeutung von Raum (Landschaften, Freiräume, öffentlicher Raum, Rückzugsräume) eine höhere Relevanz in der gesellschaftlichen Wahrnehmung gewinnt. Derzeit decke ich mit meiner Fotografie nur einen Teilaspekt ab, aber ich denke das ist eine Grundlage, auf der man gut aufbauen kann.

14) Welchen Tipp würdest Du Menschen geben, die auch professioneller Fotograf werden wollen würden?
Eine eigene Handschrift ist ein guter Einstieg in die Professionalität.

15) Gibt es jemandem, dem du besonders viel verdankst? Karriere-Push-Up, visuelle Inspiration oder menschlichen Support?
Der Austausch mit Edgar Berg ist immer sehr erfrischend. Neben ehrlicher Kritik, guten sachlichen und noch besseren unsachlichen Gesprächen ist der unbedingte Wille weiter in der Professionalität voranzuschreiten etwas was wir beide teilen.

15,5) Wenn du aus deinem Portfolio genau ein einziges Bild zeigen dürftest, welches deine Arbeit am Besten zusammenfasst, welches wäre das?
Ich denke dieses Bild übernimmt diese Aufgabe sehr gut. Die Bildsprache von Caspar David Friedrich dient mir häufig als Anregung für meine Arbeiten.

kilian-schönberg-portfolio-benhammer

© Bilder: Kilian Schönberger


Du bist Charlie.

der feind ist nicht der islam, der feind sind wir selber.
die naiven, die denken, dass ein like oder fav die welt verändern könnte, dass es in den kommenden wochen und monaten reichen würde, die eigene meinung zu twittern. als ob twitter der ort für eine politische oder gesellschaftliche auseinandersetzung wäre. der feind sind die faulen, deren politisches handeln nicht über das anklicken einer online-petition hinausgeht, die lieber bloggen als gegen pegida auf die straße zu gehen. der feind sind die dummen, die nicht mehr selber denken, die keine zeitung mehr lesen, die keine nachrichten mehr schauen, die politisch und gesellschaftlich uninteressierten, die sich und der welt keine fragen mehr stellen. der feind sind die nichtwähler, die nichtdenker, die nicht-aufsteher, die inaktivisten. der feind ist die herde.“

– wir sind nicht Charlie

Der Feind ist nicht der Islam. Das Problem sind fehlgeleitete Menschen, voller Hass.

Das Problem sind manchmal wir, wenn wir aus Sorge um unser Leben, um unsere Gesundheit und körperliche Unversehrtheit nicht auf die Großdemonstration gehen. So wie ich. Das Problem sind manchmal wir, wenn wir uns darüber beschweren, dass eine Online-Petition nicht die gewünschte Klickzahl erreicht. Wo es doch so einfach wäre und als ob es mehr ändern würde als jede andere Aktionsform.

Wir sind aber nicht das Problem, weil wir nicht in den Redaktionsräumen von Charlie Hebdo waren, als Menschen hingerichtet wurden. Wir sind auch nicht das Problem, weil wir keine Karikaturen zeichnen, weil wir vielleicht einfallslos sind oder dumme Sachen sagen oder ausschlafen.

Denn trotzdem wir uns nicht oft genug einsetzen, zu oft wegsehen und definitiv zu oft vor dem Fernseher, im Einkaufszentrum und am Device hängen. Wir sind Charlie. In dem Moment, in dem wir uns so bezeichnen um unserer Solidarität Ausdruck zu verleihen. Wir können alle sein, wenn wir uns kurz aufgeben und für andere hinstellen. Auch wenn wir nicht für sie sterben, wenn wir nur, egal wo, egal ob sichtbar oder hinter einem Monitor, sagen: Die sind gut. Die tun das Richtige.

Wir sind Charlie. Solange Charlie es uns erlaubt Charlie zu sein und wir den Mut haben uns dieses Label zu verpassen.

Zu tausenden gehen sie auf die Straßen, zu zehntausenden. In Dresden und München. In Hamburg und Frankfurt. Für eine offene Welt, für Willkommenskultur, für freie Bewegung und freie Kultur und für genug für alle. Sie nehmen sich die Symbole wie sie kommen und setzen sie ein. Eine Klobürste. Oder einfach nur #schneegida.

Nie hat mir der offene Rassismus und die offene Blödheit mehr Sorge bereitet als jetzt. Und nie hatte ich mehr Hoffnung, dass wir allein durch die Masse der Menschen, die für andere einstehen, doch noch die Kurve kriegen.

Also, doch. Ja.
Nous sommes Charlie.

Dieser Text steht unter der Creative Commons Lizenz CC-BY-SA Kiane l’Azin