Der Hamburger Fotograf Kevin McElvaney begab sich für seine Fotodokumentation an einen der giftigsten Orte der Welt und brachte tief erschütternde Bilder mit. Anders als in typischen Fotoreportagen widmete er sich den Menschen auf den Deponien von Agbogbloshie und portraitierte sie in ihrem Alltag. Entstanden sind diese authentischen und ungeschönten Momentaufnahmen, die uns nur mit Fassungslosigkeit vor dem Rechner sitzen lassen können. Stets mit dem Hintergedanken, dass die meisten dieser Menschen in den nächsten 3-5 Jahren mit absoluter Wahrscheinlichkeit schon tot sein werden.

[quote align=’right‘]“Dennoch habe ich mich entschieden nur diese 13 Porträts zu zeigen und dadurch wird das Thema nicht wie in einer typischen Reportage mit allem Drumherum erklärt. Im Zentrum steht ja die Person und der Hintergrund zeigt natürlich ganz viel, doch wenn man keinen Text dazu liest, fehlt so einiges. Das macht es für mich schwierig, diese Bilder für einen Bericht zu verwenden und zu verkaufen, aber das war mir auch egal.“ – Kevin McElvaney[/quote]

Jährlich landen Millionen Tonnen Elektroschrott im ghanaischen Agbogbloshie. Computer, Fernseher, Bildschirme und andere Reste unserer westlichen Informationsgesellschaft. Was einst als Teil eines Hilfsprogramms seinen Anfang nahm, wird seit den 2000er Jahren als illegale Entsorgungsstation für Elektroschrott genutzt. Heute liefern pro Monat im Durchschnitt 500 Schiffscontainer getarnt als Hilfsgüter den nicht mehr benötigten Elektroschrott aus Europa, China, den USA und Kanada.

Überwiegend aus den ländlichen Regionen kommen Jungen und Mädchen nach Agbogloshie, um ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von wertvollen Werkstoffen wie Metall und Kupfer zu bestreiten, die sie aus dem alten Elektroschrott gewinnen und an Zwischenhändler der Elektroindustrie verkaufen. Mit den einfachsten Mitteln versuchen sie die Werkstoffe aus den komplexen Elektrogeräten herauszulösen. Dabei kommen sie ständig mit den giftigen Stoffen in Berührung. Meist verbrennen sie auf den Deponien Schaumstoff und Styropor, um über dem offenen Feuer die Kunststoffe und Plastikummantelungen von Kabeln, Gehäusen und Schutzvorrichtungen wegzubrennen und die Metalle im inneren freizulegen. Die dadurch freigesetzten Dioxine verschmutzen jedoch nicht nur die menschlichen Atemwege der Arbeiter und die Luft in Accra, sondern gelangen durch die in der Region angebauten Pflanzen auch in den Nahrungsmittelkreislauf.

Die meisten dieser Kinder erreichen nicht einmal das 30ste Lebensjahr und sterben an Krebs, Nierenversagen oder anderen Krankheiten. Für einen Tagelohn von ca. 2,50 $ arbeiten sie von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang und leben meist in kleinen Holzhütten auf der Deponie. Stets in der Hoffnung es eines Tages zu einem besseren Leben zu schaffen.

Mit dieser erschütternden Portraitserie hat es Kevin McElvaney auf bewegende und beeindruckende Art und Weise geschafft, den Verlierern unserer westlichen Telekommunikationsgesellschaft ein Gesicht zu geben, ohne dabei auch nur einem der hier abgelichteten Mitmenschen seine Würde zu nehmen.

Agbogbloshie_KevinMcElvaney_derkevin.com_Dumpsite 11
Adam Nasara, 25 Jahre
Agbogbloshie_KevinMcElvaney_derkevin.com_Dumpsite 5
Wellu Seregious, 33 Jahre
Agbogbloshie_KevinMcElvaney_derkevin.com_Dumpsite 11
Adam Nasara, 25 Jahre
Ibrahim Ates, 10 Jahre
Agbogbloshie_KevinMcElvaney_derkevin.com_Dumpsite 12
Kwabena Labobe, 10 Jahre
Agbogbloshie_KevinMcElvaney_derkevin.com_Dumpsite 10
Baba Salifu, 15 Jahre
Agbogbloshie_KevinMcElvaney_derkevin.com_Dumpsite 8
Ibrahim Abdulai, 23 Jahre
Agbogbloshie_KevinMcElvaney_derkevin.com_Dumpsite 13
John Mahama, 21 Jahre
Agbogbloshie_KevinMcElvaney_derkevin.com_Dumpsite 7
Mohammed Amin, 20 Jahre
Agbogbloshie_KevinMcElvaney_derkevin.com_Dumpsite 4
Mohammed Abdallah, 20 Jahre
Agbogbloshie_KevinMcElvaney_derkevin.com_Dumpsite 3
Alhassan Adams, 19 Jahre
Agbogbloshie_KevinMcElvaney_derkevin.com_Dumpsite 6
Adam Latif, 21 Jahre
Agbogbloshie_KevinMcElvaney_derkevin.com_Dumpsite 2
Adjoa, 9 Jahre
Agbogbloshie_KevinMcElvaney_derkevin.com_Dumpsite 1
Rahman Duada, 12 Jahre

Wenn ihr jetzt noch mehr über die Reise, das Projekt und die Umstände vor Ort erfahren wollt, empfehle ich Euch die folgenden Artikel:

Update 22.04.2014: Kevin war inzwischen auch zu Gast bei der Sendung ‚Afrika Outlook‘ auf Tide.TV und spricht spannende 22 Minuten über seine Reise, die Fotos, seine Motivation und das gesamte Projekt. Wer die Bilder bereits so großartig fand wie ich, sollte sich auch diese 22 Minuten mit ihm unbedingt reinziehen.

all images © Kevin McElvaney