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Gentlemen Broncos Rezension
07.11.2010 - Art, Video & TV - 0 Kommentaren

„Also habe ich mich gefragt, wie sie damit fertig werden, ihre Visionen von anderen komplett verändern zu lassen“, diese Frage stellt Benjamin Purvis, die Hauptfigur von „Gentlemen Broncos“, in der Mitte des Films an sein großes Vorbild Dr. Ronald Chevalier. Der, nicht wie der Dr.-Titel anmuten könnte, ein Wissenschaftler oder Arzt ist, sondern der Bestsellerautor von Sci-Fi Geschichte. Und diese Frage stellt auch den Kern des gesamten Films dar.

Benjamin Purvis könnte man als den netten „Loser“ von nebenan beschreiben, der seit seinen Kindertagen davon träumt Sci-Fi Autor zu werden und sich gleichzeitig nicht traut die Geschichten anderen als seiner Mutter zum Lesen zugeben. Um seinen Träumen ein Stück näher zu kommen, schickt ihn seine umsorgende Mutter und nicht erfolgreiche Modeschöpferin Judith in einen Hausunterricht für Nachwuchstalente (!?). Dort begegnet er nicht nur seltsamen Gestalten, die in ihren Geschichten Trollen den Namen „Teetasse“ geben, sondern auch die Möchtegern-Filmproduzenten Tabatha (die sich schon als Französische Krimi-Autorin versucht hat)  und Lonnie Donaho (der schon über 80 (sehr schlechte!!) Filme gedreht hat und ein eigenes „Filmstudio“ besitzt), mit denen er sich mehr oder weniger anfreundet. Auf dem Cletus Fest hält Ronald Chevalier eine Rede und verkündet, dass er den Wettstreit um die beste Geschichte der Nachwuchstalente (?!) ausruft, welche dann mit einem Preis ausgezeichnet wird. So fasst sich Benjamin ein Herz und gibt „Hefelords“ sein neustes Werk über Bronco, den Hefelord, ab. Währenddessen hätte niemand ahnen können, dass sich der erfolgreiche Chevalier in einer Schaffenskrise befindet und schließlich als letzten Ausweg Benjamins Geschichte abkupfert und verändert. Und dabei lässt er nicht nur den Namen „Bronco“ nicht unangetastet, sondern verändert auch die Charaktere der Protagonisten vollständig. Unterdessen verkauft Benjamin aus Geldnöten die Filmrechte von „Hefelord“ an die beiden Möchtegern-Filmproduzenten, die nun sein Werk vollkommen „verwursten“. Den Weg den Benjamin nun gehen muss, um seine Geschichte zu retten, verfolgt man bei „Gentlemen Broncos“ mit.

bronco

Die US-amerikanische Komödie „Gentlemen Broncos“ von Jared Hess aus dem Jahr 2009 ist genau wie seine Charaktere skurril, ungewöhnlich und „abgedreht“. Man sollte, wenn man bei diesem Film auf Start klickt, keinen normalen Film erwarten. Das erkennt man schon an dem Vorspann, in dem Sci-Fi Cover vor biederem Hintergrund (z.B. Einer Schale mit Nüssen, einer karierten Tischdecke etc.) drapiert sind.So wird nicht nur die Geschichte von Benjamin Purvis erzählt, sondern auch Ausschnitte aus seinem Sci-Fi Werk „Hefelords – Die Bronco Jahre“ und auch die „verwursteten“ Versionen seiner Geschichte von Chevalier oder den Filmemachern gezeigt. Bei diesen Ausschnitten merkt man, dass der Film ein Low-Budget Projekt war. Man sieht eindeutig, dass viele Szenen in der Blue-(bzw. Green-)Box gedreht  und schließlich hineinkopiert wurden. Allerdings liegt hier auch die Stärke des Films. Denn er nimmt sich selbst nicht ernst und gerade Sci-Fi – Geschichten, die häufig ebenso skurril, aber doch ernsthaft gemeint sind, werden auf den Arm genommen. Gleichzeitig ist es eine Art Hommage an alle Talente, die für Visionen und nicht für Geld arbeiten. Die wie gestellt und dann doch wieder wie improvisiert wirkenden Situationen verdankt der Zuschauer den unbekannten Gesichtern, wie z.B. Michael Angarano (Benjamin), John Baker (Don Carlos), Jemaine Clement (Chevalier), Jennifer Coolidge (Judith), Rod Decker (Rod Decker), Halley Feiffer (Tabatha) oder Héctor Jiménez (Lonnie Donaho).

Der ungewöhnliche Humor, den die Schauspieler perfekt inszenieren, ist bestimmt nicht jedermanns Geschmack. Und gerade wegen der Vielzahl an negativen Kritiken sollte man Benjamins „Schutzengel“, der ihm im Auftrag von seiner Mutter in seinem Leben helfen soll, rezitieren: „Wenn also wieder mal jemand rummeckern will an einer deiner Geschichten, dann mach ihn alle. Denn du bist gut.“

Seit dem 22.Oktober gibt es Gentleman Broncos jetzt auch auf DVD zu kaufen.

Gastautoren-Beitrag von Svea

 

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